Dienstag, 10.6.2025
Erste Station heute ist Portsall (bretonisch Porsal), ein Küstenort, der zur Gemeinde Ploudalmézeau gehört. Porsal ist eine Verbindung aus den bretonischen Begriffen porz, das Hafen bedeutet, und sal, das Schloss im Altbretonischen bedeutet, daher die Bedeutung von Schlosshafen. Dieser Ortsname ist möglicherweise mit der Famille du Chastel des Château de Trémazan verbunden, die die natürliche Bucht zu ihrem Hafen gemacht hatten.

Wir suchen erst mal einen Parkplatz in Portsall und werden an der Rue du Béarn fündig…. ein grosser kostenloser Parkplatz ohne Markierungen…. ideal für Wohnmobile! Bei Ebbe und trübem Wetter sieht es hier etwas trostlos aus.





Viel zu sehen gibt’s in Portsall nicht…. die Rue du Port ist die Hauptstrasse, die sich der Bucht entlangschlängelt und mit der Jetée de Portsall, der Hafenmole, endet.
Das Steinkreuz gegenüber signalisiert die Allée couverte (dt. Galeriegrab) du Guilliguy

2015 war hier das Wetter viel besser und es war was los….
…. ein Schiff hatte Algen geerntet und diese wurden mit einem Kran auf einem Lastwagen verladen. Interessant ist, wofür Algen alles verwendet werden…. das sind sehr nützliche Lebewesen!

Die Bucht vor Portsall in einem kurzen Video
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Portsall erreichte traurige Berühmtheit, als am 16. März 1978 der Tanker Amoco Cadiz unweit der Küste havarierte und der Ölteppich als erstes den kleinen Naturhafen des Ortes erreichte, bevor er sich binnen weniger Tage über 300 Kilometer Küstenlinie verteilte.
Der Anker der Amoco Cadiz…. 20.5 t schwer!

Die Übersetzung der Gedenktafel
Die Amoco Cadiz, die als letzte Rettungsmassnahme vor Anker gegangen war, wurde durch Wind und Strömung von ihrem 20.5 Tonnen schweren Anker (dessen Schenkel brachen) losgerissen und lief am 16. März 1978 auf Men Goulven in einer Entfernung von etwa 1’100 Metern östlich/nordöstlich des Leuchtturms von Corn Carhai auf Grund und verursachte die grösste Ölpest des Jahrhunderts.

Gegen 21.04 Uhr rammte die Amoco Cadiz einen Felsen vor der Küste von Portsall, ca. 24 km nordöstlich der Insel Ouessant. Wasser drang ein, Explosionsgefahr machte die völlige Stilllegung der Bordelektrik notwendig und verhinderte das Senden eines Notrufs über die Bordfunkanlage. Der Seegang spülte den Havaristen noch einmal frei, eine halbe Stunde später sass er jedoch endgültig auf dem Riff fest. Die Besatzung wurde, nachdem ihr Rettungsboot beim Aussetzen in der Dunkelheit verloren ging, mit Hubschraubern evakuiert.
Gegen Mitternacht brach das Schiff im hinteren Drittel, kurz vor den Deckaufbauten, auseinander. Eine Woche später zerbrach es auch zwischen dem ersten und zweiten Viertel.

Das Gebiet, in welches der Tanker hineingetrieben wurde, war wegen des dichten, unübersichtlichen Nebeneinanders von flachen und tiefen Stellen für die Grossschifffahrt völlig ungeeignet. Tanker, auf welche die Ladung der Amoco Cadiz umgepumpt werden sollte, konnten das Wrack wegen dieser zahlreichen, nur ungenau in den Seekarten eingezeichneten Untiefen nicht erreichen.
Um ein unkontrolliertes, langwieriges Austreten des Öls zu verhindern, wurden, als das Schiff und die Ladung nicht mehr zu retten waren, sämtliche Tankluken geöffnet und der Tanker knapp zwei Wochen nach der Strandung sogar beschossen. Drei Tage nach dem Rammen des Felsens waren bereits über 80’000 t, nach etwa 19 Tagen nahezu die gesamte Ölladung ins Meer gelangt. 74’000 t davon verblieben im Meer, 80’000 t verseuchten die Küste. Die restlichen etwa 30 % verdunsteten.
Ein Foto aus dem Sommer 2015

Die französische Regierung und die betroffenen Gemeinden verklagten die Amoco-Gesellschaft in den Vereinigten Staaten. Nach 14 Jahren erhielten sie 1.257 Milliarden Francs (190 Millionen Euro), weniger als die Hälfte der von ihnen geforderten Summe.
Mittlerweile gilt das Wrack der Amoco Cadiz als ereignisreicher Tauchplatz vor der bretonischen Küste. Dabei sind nur das Mittelstück und das Heck zu betauchen. Das Vorschiff ist nach einem Sturm verschwunden und wurde bisher nicht wiedergefunden.
Heute ist, ausser dem Anker und der Gedenktafel, davon nichts mehr zu sehen…. zum Glück!


Im Le Glenn Café gibt’s einen kleinen Imbiss…. sehr lecker!
Der originelle O’DonNeil Irish Pub gegenüber ist noch geschlossen


Weiter geht’s nach Lampaul-Plouarzel (bretonisch Lambaol-Blouarzhel), eine Gemeinde mit gut 2’000 Einwohnern im Département Finistère. Die dortige Aire de Camping-Car kennen wir aus dem Jahr 2015.… schöner Platz mit Meerblick!


Auf den umliegenden Wiesen wird ein Festival vom letzten Wochenende abgebaut, ich dachte, LPF heisst Lampaul-Plouarzel Festival…. nein, es heisst Les Petites Folies (dt. die kleinen Verrücktheiten)

Wegen der Störungen durch die Demontageequipen kostet der Platz zur Zeit nichts, der Parkscheinautomat ist ausser Betrieb. Uns stören die nicht und nachts arbeitet dort niemand.


Noch zwei Sehenswürdigkeiten aus Lampaul-Plouarzel, an denen wir vorbeigefahren sind….
…. die Mairie de Lampaul-Plouarzel (dt. Rathaus)….

…. und die Église Saint-Paul-Aurélien mit dem Calvaire de l’église
Die Kirche Saint-Paul-Aurélien war früher die Kapelle Saint-Sébastien, die in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut wurde. Sie wurde zwischen 1759 und 1762 restauriert und erweitert, während die erste Pfarrkirche, die auf der Düne stand und vom Sand überwuchert war, verfiel. Seitdem trägt sie den Namen der alten Kirche, die zu diesem Zeitpunkt bereits fast vollständig zerstört war. 1970 wurde die Kirche vollständig restauriert und durch den Anbau einer grossen Kapelle im Norden erweitert.

Bei der L’Auberge du Môle trinken wir noch ein Glas Wein und geniessen die Abendstimmung.

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