Sonntag, 21.9.2025
Kurz hinter Rochefort machen wir einen Stopp an der Pont Transbordeur du Martrou, der Schwebefähre Rochefort, ein Bauwerk aus dem Jahr 1900, das die beiden Ufer der Charente zwischen Rochefort und Échillais miteinander verbindet, ohne den Schiffsverkehr zum Marinearsenal und dem Hafen von Rochefort zu behindern.


Auf jeder Seite der Charente befinden sich jeweils zwei stählerne Pylone von 68 m Höhe. Ein 175 m langer Brückenträger verbindet die Stützen in 50 m Höhe über dem Hochwasserstand.

Ein Foto vom südlichen Ufer der Charente aus

Die Fährplattform oder Gondel (franz. nacelle) setzt sich in Bewegung….

…. und so sieht sie im Detail aus

Heute dient die Schwebefähre Rochefort hauptsächlich dem Tourismus. Es werden Fussgänger und nicht zulassungspflichtige Fahrzeuge (z. B. Fahrräder) befördert.




Die gemauerten Fundamentpfeiler der Brücke mit den Gelenken unten an den Metallpfeilern

Ankerblock auf jeder Seite der Ufer, der dem Gleichgewicht der Brücke dient



Tolle Technik…. immerhin schon 125 Jahre alt!
Weiter geht’s über das Viaduc d’Oléron auf die Île d’Oléron….

…. diese Brücke ist genauso wie die Pont de l’île de Ré eine Spannbeton–Hohlkastenbrücke mit einer Länge von 2’862 Metern. Die Brücke wurde zwischen 1964 und 1966 errichtet und war bei der Eröffnung 1966 die längste Brücke Frankreichs, bis sie 1975 von der Pont de Saint-Nazaire und 1988 von der Pont de l’île de Ré auf den dritten Rang verwiesen wurde.
Wir fahren, um erst mal einen Überblick über die Insel zu bekommen, über Saint-Pierre-d’Oléron, den Hauptort der Insel, nach Nordwesten…. bis es nicht mehr weiter geht. Am Phare de Chassiron ist ein schöner Parkplatz, auch für Wohnmobile, da parken wir…. ausserdem haben wir Hunger! 😜


Das Face à la Mer gefällt uns, ein Restaurant mit Meeresfrüchten und Fisch auf der Karte, lokale Küche und herrlicher Blick auf das Meer und den Leuchtturm…. nichts grosses…. leckere Langoustines mit Kartoffeln und einer feinen Sauce!

Ein kleines Oldtimertreffen auf dem Parkplatz vom Restaurant


Der Phare de Chassiron und der Sémaphore de Chassiron (rechts daneben)

Der nördlichste Punkt der Île d’Oléron
Die Île d’Oléron ist die zweitgrösste französische Insel in Europa, die grösste ist Korsika. Sie ist 34 km lang, 12 km breit und hat eine Fläche von 174 km². Sie gehört zum Département Charente-Maritime sowie zur Region Nouvelle-Aquitaine und wird auch die Mimoseninsel genannt. Die Île d’Oléron hat etwas 23’000 Einwohner.



Das könnte Flysch sein!






An der Küste von Oléron, insbesondere am Fusse der Klippen von Chassiron in Saint-Denis d’Oléron, fallen seltsame Steinstrukturen mitten im Ozean auf. Es handelt sich um Fischschleusen.
Diese festen Fischfallen bilden eine 500 – 700 Meter lange Mauer. Sie haben die Form eines mehr oder weniger symmetrischen Hufeisens, je nach Beschaffenheit der Küstenzone, auf der sie errichtet wurden. An der Küste von Oléron gab es überall dort, wo die Küste felsig war und es Steine gab, diese Schleusen.
Sie wurden aus Küstensteinen gebaut, die so aufgeschichtet wurden, dass sie den Angriffen des Meeres standhalten konnten. Diese riesigen Steinmassen wurden ohne jegliche Verbindung errichtet. Ihre Hauptaufgabe ist natürlich der Fischfang, aber sie dienen auch als Wellenbrecher, indem sie die Meereserosion an den Klippen und Stränden mindern.
Ihr System ist einfach: Der Fisch schwimmt bei Flut in die Schleuse und wird bei Ebbe durch den schnellen Wasserabfluss durch den Schleusenverschluss gefangen. Der Fischer muss dann nur noch die gefangenen Fische herausholen. Man kann dort verschiedene Fischarten fangen: Wolfsbarsche, Doraden, Hornhechte, Meeräschen, Makrelen und Meeraale. Die ersten Schleusen stammen mindestens aus dem Mittelalter, da Texte belegen, dass es sie bereits im 14. Jahrhundert gab.
Früher gab es zwei Reihen von Schleusen, die hohen Schleusen näher am Ufer und die niedrigen Schleusen weiter entfernt. Bei Ebbe wurden die unteren Schleusen in der zweiten Reihe mit Wasser aus den oberen Schleusen in der ersten Reihe gespeist. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es bis zu 237 Schleusen, davon 45 in Saint-Denis d’Oléron. Heute sind auf der gesamten Île d’Oléron nur noch 17 Schleusen erhalten.


Zwei Drohnenaufnahmen der Fischschleusen


Das Maison de la Pointe…. Boutique und kleines Museum

Gebälk des Hauses

Ein Kamin ohne Schornstein?
Diese Kuriosität befindet sich im Maison de la Pointe. Dieses Kalksteinelement, das mit dem Datum 1588 versehen ist, befand sich ursprünglich im Maison du Corsaire (dt. Haus des Korsaren) in Saint-Denis d’Oléron, das wahrscheinlich einem reichen Seefahrer gehörte, obwohl das auf dem Kamin sichtbare Wappen keiner bekannten Familie entspricht. Nachdem das Gebäude im Laufe der Jahrhunderte mehrere Besitzerwechsel und zahlreiche Umbauten erlebt hatte, wurde es in den 1920er Jahren von der aus Sedan stammenden Familie Devin gekauft. Diese Familie erwarb mehrere Häuser in Saint-Denis und gründete das Sanatorium Aérium de l’Ormeau, um Kinder aus Ostfrankreich aufzunehmen, die während des Ersten Weltkriegs gelitten hatten. Das Haus des Korsaren wurde 1931 abgerissen, der Kamin wurde zum ersten Mal versetzt und im Festsaal des Sanatoriums aufgestellt.
Im Jahr 2004 wurde auch das Sanatorium abgerissen, aber die Erhaltung des Kamins hatte weiterhin oberste Priorität. Er wurde demontiert und 2007 im neu restaurierten Maison de la Pointe wieder aufgebaut. Heute präsentiert sich der Kamin in seiner ganzen Pracht an der Pointe de Chassiron.

Nochmal der Phare de Chassiron
- Erster Turm fertiggestellt 1685
- Zweiter Turm Baubeginn im Jahr 1834
- Inbetriebnahme am 1. Dezember 1836
- Höhe 43 Meter
- Grösse der Fundamente: 18 Meter Durchmesser und drei Meter Tiefe
- Feuer: acht Lichtstrahlen, zehnsekündiges weisses Blinklicht
- Reichweite etwa 52 km (28 Meilen)
- Automatisierung im Jahr 1998
- Anzahl der Stufen: 224


Das Oldtimertreffen dauert an

Weiter geht’s Richtung Süden zum Camping Le Sous Bois, ein sehr schöner Platz im Grünen…. dort bleiben wir für zwei Nächte. Die junge Dame mit dem Wasserkrug gibt dem Platz einen zusätzlichen noblen Touch! 😜

Wir machen einen Spaziergang nach La Cotinière…. ein Dorf mit knapp 1’000 Einwohnern an der Westküste der Île d’Oléron. Es gehört zur Gemeinde Saint-Pierre-d’Oléron im Département Charente-Maritime. Die Siedlung ist um den Hafen herum angelegt, dem wichtigsten Hafen für handwerkliche Fischerei in der Charente-Maritime, dem siebtgrössten Hafen Frankreichs in dieser Kategorie und einem der fünf grössten französischen Häfen für bestimmte Fischarten, darunter Garnelen. La Cotinière war viele Jahre lang der wichtigste Garnelenhafen, bevor es diesen Platz abgeben musste.


Die Plage de La Cotinière

Das Hochhaus ist der Tour à glace (dt. Eisturm), das dort produzierte Eis dient dazu, den Fischfang direkt in den Laderäumen der Kutter zu kühlen, um die Frische bis zur täglichen Auktion (la criée) zu garantieren. Der 2021 fertiggestellte Eisturm ist etwa 18 Meter hoch und stellt sicher, dass die Fischkutter jederzeit die nötigen Mengen an Eis für ihre Einsätze beziehen können.

Der Port de La Cotinière ist ein Fischerei- und Freizeithafen


Von 1910 – 1973 befand sich hier L’Ancienne Criée, die alte Fischauktionshalle….
…. heute ist hier La Cotinière Marée, ein Fischmarkt


Eine Silbermöwe…. französisch Goéland argenté




Feierabend…. morgen sind wir nochmal am Port de la Cotinière…. dann etwas ausführlicher.
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