7. Tag: Mit dem Bus nach La Rochelle…. Teil 1

Freitag, 19.9.2025

Heute müssen, oder besser gesagt, wollen wir früh los! Es geht mit dem Bus nach La Rochelle. Wir müssen zur Haltestelle Sainte-Marie-de-Ré – Paradis, die einzige im Ort. Bis dahin sind es etwa 20 min. Fussweg…. kurz nach 9 Uhr fährt der Bus…. der nächste fährt erst kurz vor 12 Uhr.

Ein schnelles Selfie auf dem Weg zum Bus!

Man sieht’s auf dem Fahrplan…. Abfahrt 9.05 Uhr….

…. Ankunft am Gare routière (Gare SNCF), also am Busbahnhof um 9.50 Uhr…. eine dreiviertel Stunde Fahrzeit!

© Nouvelle-Aquitaine 2025

Der Bus fährt übrigens über die Pont de l’île de Ré, eine 1988 eröffnete Verbindung vom Festland, dem Gewerbegebiet Les Rivauds von La Rochelle nach Rivedoux-Plage. Es handelt sich um eine SpannbetonHohlkastenkonstruktion mit 29 Feldern und Spannweiten (von der Insel zum Festland) von 37.20 + 56.40 + 83.20 + 24×100.00 + 71.80 + 37.90 m.

Sie ist die zweitlängste Brücke Frankreichs nach der Pont de Saint-Nazaire.

Photo by CaptainHaddock, License CC BY-SA 3.0

La Rochelle (dt. kleiner Felsen) ist eine Hafenstadt und Hauptstadt des Départements Charente-Maritime in der Region Nouvelle-Aquitaine und hat etwa 80’000 Einwohner. Die Stadt ist unter anderem Mitglied im Hansebund der Neuzeit.

Die historische Oberlichtkuppel des Bahnhofs von La Rochelle wurde zur Restaurierung entfernt….

…. und hier zwischengelagert! 😜

Über die Passerelle Joséphine Baker überquert man die Bahngleise vorbei am Gare de La Rochelle-Ville….

Die Lichtverhältnisse sind in Richtung Bahnhof nicht gut, daher verwende ich ein Foto aus Wikipedia.

Photo by Max2kfr, License CC BY-SA 4.0

Auch heute werden es etwa 10 km Fussmarsch durch die Stadt….

…. es reicht bei weitem nicht, um alle Sehenswürdigkeiten anzuschauen!

Maplibre | © komoot | Map data © OpenStreetMap-Mitwirkende

In der Avenue du Général de Gaulle Richtung Vieux Port de La Rochelle (dt. Alter Hafen)

Das Aquarium La Rochelle, ein Unterwasser-Aquarium…. da haben wir schon einige gesehen

Augen auf…. darüber stolpern könnte fatale Folgen haben!

Le Gabut

Bevor es zu diesem lebendigen und farbenfrohen Viertel wurde, bezeichnete Gabut die Mauer, die die südliche Grenze der mittelalterlichen Stadtmauer von La Rochelle markierte. Die Errichtung einer Bastion im italienischen Stil namens Le Gabut (vom italienischen Wort gabione) im Jahr 1568 gab der Mauer und später dem gesamten Viertel seinen Namen.

Mit der Ankunft der Eisenbahn in La Rochelle Mitte des 19. Jahrhunderts nahm der Handel zwischen dem Bahnhof, der Stadt und den Hafenlagern von Gabut zu. 1858 wurde ein Tor in die Stadtmauer eingebaut, bevor diese 1887 vollständig abgerissen wurde. Gabut war nun keine Grenze mehr, sondern entwickelte sich zu einem Viertel mit maritimen Aktivitäten.

In den 1990er Jahren erhält das Viertel sein heutiges Aussehen. Es ist bekannt für seine bunten Holzhäuser und strahlt die Atmosphäre eines traditionellen Fischerdorfes aus.

Die bunten Holzhäuser erinnern an skandinavische Länder: eine bewusste Anspielung auf die Geschichte von La Rochelle. Diese Architektur spiegelt die Handelsbeziehungen zwischen La Rochelle und der Hanse wider. Die Stadt, einst Hansekontor, ist auch heute noch die einzige französische Stadt, die Mitglied im Hansebund der Neuzeit ist. Als Partnerstadt von Lübeck pflegt sie dieses Erbe.

Holzhäuser am Quai du Gabut

Pont levant du Gabut (dt. Klappbrücke)

Die Brücke ist eine historische Klappbrücke aus dem Jahr 1927, die über das Bassin des Chalutiers führt und Fussgänger sowie Radfahrer (und zeitweise Autos) bedient, aber regelmässig technische Probleme mit dem Hebemechanismus hat, was zu Sperrungen führt…. zur Zeit ist die Brücke für Autos gesperrt. Genauer gesagt handelt es sich um eine Rollklappbrücke nach der vom amerikanischen Ingenieur William Donald Scherzer entwickelten speziellen Bauform.

Ein Video über die Brücke in Betrieb

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Crépeau l’Humaniste…. eine skulpturale Hommage

Auf der Esplanade Saint-Jean-d’Acre fängt eine grosse schwarze Scheibe, die in zwei Halbkugeln unterteilt ist, die letzten Sonnenstrahlen ein. Dieses 2009 eingeweihte Werk von François Cante-Pacos ist eine Hommage an Michel Crépeau, den visionären Bürgermeister von La Rochelle.

Eine Skulptur mit maritimen Einflüssen
Im Zentrum dieser abstrakten Kreation lassen sich Elemente erkennen, die an das Meer erinnern: Schleuse, Boje, Schiffsrumpf… eine Anspielung auf denjenigen, der Les Minimes (ein Quartier von La Rochelle) zu einem wichtigen Zentrum des Wassersports gemacht hat.

Diese Skulptur, die bei ihrer Aufstellung kritisiert wurde, ist heute Teil des Stadtbildes von La Rochelle, neben dem Globe de la Francophonie und anderen zeitgenössischen Werken, die die historische Stadt mit ihrer Öffnung zum Meer verbinden.

Tour de la Lanterne (dt. Turm der Laterne)

Der Tour La Lanterne aus dem 15. Jahrhundert ist neben dem Tour Saint-Nicolas und dem Tour La Chaîne einer der drei Türme an der Küste von La Rochelle, die den Hafen schützten. Sie sind Überreste der mittelalterlichen Befestigungsanlagen. Er ist auch unter den Namen Tour du Garrot, Tour Prêtres oder Tour Quatre Sergents bekannt. Er wurde am 17. Februar 1879 unter Denkmalschutz gestellt.

Eine Verordnung der Stadtverwaltung aus dem Jahr 1209 erwähnt bereits die Existenz eines Tour de la Chaîne (Turm der Kette), der zwar nichts mit dem heutigen Tour de la Chaîne zu tun hat, aber dieselbe Funktion hatte. Dieser versperrte damals die Einfahrt zum ursprünglichen Hafen von La Rochelle am Bach Lafond und wurde später Tour du Garrot (garotte = Strangulationswerkzeug aus Kette, Seil, Draht) genannt, nach dem Hebezeug, mit dem die Schiffe entwaffnet wurden, bevor sie in den Hafen einlaufen durften. Der Turmkapitän wurde als Désarmeur des nefs (dt. Entwaffner der Schiffe) bezeichnet.

Links der heutige Tour de la Chaîne, rechts der Tour Saint-Nicolas

Der Tour de la Chaîne ist neben dem Tour Saint-Nicolas und dem Tour de la Lanterne einer der drei Türme an der Küste von La Rochelle und einer der beiden symbolträchtigen Türme des Vieux-Port (dt. Alter Hafen), dessen majestätisches Tor er bildet. Von diesem Turm aus wurde die Kette bedient, die im Tour Saint-Nicolas am anderen Ufer befestigt war, um den Zugang zum Hafen zu versperren. Er wurde am 17. Februar 1879 unter Denkmalschutz gestellt.

An dieser Stelle gab es tatsächlich zwei Tours de la Chaîne:

  • einen kleinen Tour de la Chaîne, in dem sich das Spill (franz. cabestan) Spannen der Kette befand
  • einen grossen Tour de la Chaîne, der dem Turmkapitän, seiner Familie und der Garnison als Unterkunft diente
  • die beiden Türme waren durch einen zweistöckigen Gang miteinander verbunden.

Der Tour Saint-Nicolas wird gerade restauriert.

An diesem Turm war die Kette befestigt, die vom Tour de la Chaîne gegenüber gespannt wurde.

Le Phare Rouge du Vieux-Port (dt. der rote Leuchtturm des Alten Hafens)

Blick zum Cours des Dames….

…. und zur Place Barentin mit der Grosse Horloge (dt. Grosse Turmuhr)…. rechts der Quai Duperré

Am Quai Duperré

Bronzestatue von Baron Victor Guy Duperré, *17751846, Admiral der französischen Marine an der Place Barentin. Sein Name ist am Arc de Triomphe de l’Étoile in Paris in der 34. Spalte eingetragen.

In La Rochelle findet gerade das Festival de la Fiction statt

Das Festival de la Fiction, früher Festival de la Fiction TV genannt, ist ein 1999 ins Leben gerufenes Fernsehfestival, das französischsprachige und internationale Fernsehproduktionen auszeichnet. Es findet jedes Jahr im September statt. Von 1999 bis 2006 wurde es in Saint-Tropez veranstaltet, seit 2007 findet es in La Rochelle statt.

Als wichtigstes audiovisuelles Ereignis in Frankreich und Europa bietet dieses Festival jedes Jahr die Möglichkeit, fast 60 Serien und Einzelfilme zu entdecken, die im offiziellen Wettbewerb (französisch und französischsprachig international), ausserhalb des Wettbewerbs sowie in Sondervorführungen präsentiert werden.

In allen verfügbaren Kinos und Sälen im Stadtzentrum finden Veranstaltungen statt. Auf den Strassen im Zentrum sind illustre, intellektuelle und mehr oder weniger interessante Leute unterwegs, die gern gesehen werden wollen. Wir beobachten, dass wichtige Leute, man erkennt sie auf den ersten Blick am Lanyard um den Hals mit einem Badge vom Festival de la Fiction dran, von Passanten angesprochen und um ein Selfie gebeten werden, was diese mehr oder weniger bereitwillig mitmachen.

Am Cours des Dames gibt es zahlreiche gute Restaurants….

…. wir reservieren uns schon mal für Mittag einen schattigen Tisch unter den Bäumen!

Ein schöner Ort ist das hier…. da können wir dasitzen und ausgiebig Leute gucken! 👀 😜

Das Grand Théâtre de la Coursive, einer der zahlreichen Veranstaltungsorte des Festival de la Fiction

Die Rue St Jean du Pérot

Der Tour de la Lanterne an der Rue sur les Murs (dt. Strasse auf den Mauern)

An der Place de la Chaîne….

…. und wieder am Cours des Dames

Rue de la Grosse Horloge

Die Rückseite der Grosse Horloge

Place des Petits-Bancs, ein geschichtsträchtiger Ort, an dem seit dem Mittelalter die Bankiers ihre Geschäfte an kleinen Holztischen, den sogenannten Bancs (Bänken), abwickelten. Daher stammt übrigens auch das Wort Banque (Bank).

In der Mitte des Platzes, wo einst ein Brunnen stand, thront seit 1905 die Bronzebüste von Eugène Fromentin, einem berühmten Maler und Schriftsteller aus La Rochelle. Sie wird von einer beeindruckenden Reiterstatue begleitet, die einen Reiter der Fantasia darstellt, einer spektakulären Tradition aus Nordafrika, bei der Reiter synchronisierte Kriegsläufe ausführen.

Cour du Temple und Rue des Templiers

Gut, dass wir reserviert hatten…. es ist voll um die Mittagszeit am Cours des Dames….

…. der Name des Restaurants ist mir entfallen…. aber das Essen ist gut!

Es werden zu viele Bilder aus dieser schönen und tollen Stadt….

…. mit Teil 2 dieses Berichts geht’s hier weiter!

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