2. Tag: Besuch des Campus Galli, der karolingischen Klosterstadt bei Messkirch

Freitag, 29.5.2026

Nicht weit entfernt vom Tipihof befindet sich bei Messkirch der Campus Galli. Auf der Klosterbaustelle Campus Galli entsteht Tag für Tag ein Stück Mittelalter: Handwerker und Ehrenamtliche schaffen mit den Mitteln des 9. Jahrhunderts ein Kloster auf Grundlage des St. Galler Klosterplans.

Robert, unser Organisator, hat für unsere Gruppe einen geführten Rundgang gebucht. Unser Guide, ein guter Bekannter von Robert, gibt sich sehr viel Mühe und versorgt uns mit vielen Informationen zu diesem einzigartigen Projekt.

Der Grundrissplan des Campus Galli

Ein originalgetreuer Nachbau des St. Galler Klosterplans wurde im Juni 2013 bei Messkirch begonnen. Bei der Errichtung des Klosterkomplexes kommen im Sinne der experimentellen Archäologie so weit wie möglich zeitgenössische Baumaterialien und -methoden zum Einsatz, wodurch man sich wissenschaftliche Erkenntnisse über die karolingische Architektur und Bautechnik verspricht.

Das vom Aachener Journalisten Bert M. Geurten in’s Leben gerufene Bauprojekt erhält eine öffentliche Starthilfe in Höhe von rund einer Million Euro, die weitere Finanzierung soll ähnlich wie bei der Burg Guédelon durch Einnahmen als touristischer Anziehungspunkt getragen werden. Auf dem mittelalterlichen Bauplatz sollen 20 – 30 Bauleute fest angestellt werden, die Bauzeit wird auf circa 40 Jahre veranschlagt.

Der Eingang zum Campus Galli

Spendensteine nach dem Eingang…. auf der Webseite sind mehrere Möglichkeiten der Unterstützung des Projekts aufgelistet.

Museumspädagogik für Schulklassen und Jugendgruppen

Der Klosterplan

Der St. Galler Klosterplan ist die Grundlage der Bautätigkeit auf dem Campus Galli. Er entstand etwa im Jahr 825 auf der Insel Reichenau und gilt als das älteste Architekturdokument Europas. Der Plan stellt ein Ensemble von Gebäuden dar, das zeigt, wie sich Reichenauer Mönche die räumliche Organisation eines idealen Grossklosters vorgestellt haben. 

Unser Guide erklärt den Klosterplan

Der Codex Sangallensis 1092 recto aus dem 9. Jahrhundert…. das Original liegt in der Stiftsbibliothek St. Gallen

Der Zusatz Cod. 1092 im Logo von Campus Galli bezieht sich direkt auf den berühmten St. Galler Klosterplan. Cod. ist die Abkürzung für Codex (lateinisch für ein handgeschriebenes Buch oder Dokument). Die Zahl 1092 ist die offizielle Archiv- bzw. Bibliothekssignatur der Stiftsbibliothek St. Gallen.

Plan by Unknown, License CC0 1.0 Public Domain

Umsetzung des St. Galler Klosterplans auf dem Campus Galli

Plan by Tommy489, License CC BY-SA 4.0

Genug der Theorie…. 😜

…. weiter geht’s mit der Gallus-Eremitage

Die Eremitage wurde zum 1400-Jahres-Jubiläum der Ankunft des Heiligen Gallus in St. Gallen gebaut. Sie wurde auf Basis archäologischer und historischer Kenntnisse errichtet und soll zeigen, wie die Eremitenzellen ausgesehen haben könnten, in denen Gallus und seine Gefährten im Arboner Forst gelebt haben. Diese Eremitensiedlung bildete die Keimzelle, aus der das Kloster und später auch die Stadt St. Gallen entstanden. Nach Ende des Gallus-Jubiläums wurde die Eremitage dem Campus Galli geschenkt.

Die Scheune ist das bisher grösste Gebäude bei Campus Galli. Die Grundfläche misst etwa 11 × 22 m, die Höhe ca. 8 m.
Das Dach ist mit heimischem Roggenstroh gedeckt.

Nachbau einer Ölpresse, z.B. für Walnüsse

Die Weberei

Schafwolle wird hier gereinigt, gekämmt und versponnen. Das fertige Garn wird durch Nadelbinden zu Mützen, Socken und Handschuhen oder auf dem Gewichtswebstuhl zu Wolltuch verarbeitet. Gefärbt wird die Wolle mit Brennnessel, Rainfarn, Färberkrapp etc. Diese Pflanzen waren auch im frühen Mittelalter verfügbar. Auch der auf dem eigenen Gelände angebaute Flachs (Leinen) wird hier verarbeitet.

Der Gemüsegarten befindet sich bereits an dem vom Klosterplan vorgesehenen Platz. Auf 18 Beeten werden Würzkräuter und Gemüsesorten nach den Beschriftungen des Gemüsegartens des Klosterplans angebaut.

Der Paradiesgarten

Für die Umfriedung des Paradiesgartens, der im Klosterplan zugleich als Friedhof und Obstgarten dient, wurden Kalksteine verwendet. Die Mischung des Mörtels wurde nach einem mittelalterlichen Rezept angefertigt. Der Rundbogen wurde aus rotem Sandstein aus Schramberg hergestellt und das Holzkreuz entstand aus einer Eiche, die unweit des Paradiesgartens stand. Der Obstgarten besteht aus 13 verschiedenen Obstbäumen, welche durch ihre Vielfalt das Paradies symbolisieren und nach den Beschriftungen des Klosterplans gesetzt wurden.

Die Korbmacherei

In der Korbmacherei werden Körbe aus Weiden hergestellt. Sie werden für den Transport und die Lagerung von Lehm, Schutt, Wolle etc. gebraucht. Mitunter sind die Korbmacher auch auf dem Gelände unterwegs, um Wände und Zäune zu flechten.

Hier sieht man sehr gut, wie Wände aus senkrechten Stützen, waagrechtem Geflecht und Lehm erstellt werden

Die Schmiede und Giesserei

Der Schmied repariert und schmiedet in seinem Grubenhaus Werkzeuge und Beschläge für die Baustelle. Ein grosser Teil des Werkzeugs kann hier hergestellt werden, jedoch wird auch handgeschmiedetes Werkzeug zugekauft. Im Halbdunkel seiner Werkstatt kann der Schmied die Farbe des glühenden Werkstückes und damit die Temperatur gut beurteilen. Das kleine Nebengebäude bietet Raum für Schleif-, Polier- und Feilarbeiten.

Frisch gegossenes Unterteil eines Weihrauchgefässes

Nebengebäude der Schmiede

Das Abtshof-Nebengebäude

Als erste Wohnmöglichkeit der Mönche, wurde das Nebengebäude im Abtshof errichtet. Laut Inschrift befinden sich hier Küche, Vorratsraum, (Bad)-Stube sowie Schlafmöglichkeiten.

Die Holzkirche und der Glockenturm

Die Holzkirche ist mit einem Grundriss von 6 x 12 m und einer Höhe von 9 m das erste grössere Gebäude, das auf dem Gelände errichtet wurde. Der Innenraum wurde durch Chorschranken abgeteilt. Für die Dachdeckung wurden über 14’000 Schindeln verwendet. Der angrenzende Kreuzgang lädt zum Ruhen und Verweilen ein. Im Turm hängt die Glocke, welche 2018 auf dem Gelände gegossen wurde. Sie wird täglich kurz nach 13 Uhr geläutet. Auch ein Klangbrett, die Tabula, befindet sich im Turm. Sie wird für die Mitarbeiter 4 x am Tag, jeweils zum Arbeitsbeginn und Arbeitsende geschlagen.

Der kleine Kreuzgang

Der Abbundplatz und Holzhandwerker

Hier werden Hölzer für die aktuellen Bauvorhaben behauen. Die Holzarbeiter schlagen mit Äxten aus den runden Baumstämmen Balken und stemmen die Holzverbindungen. Weiterhin werden hier Schreinerarbeiten verrichtet.

Im Moment ist Mittagspause, deshalb sind hier gerade keine Handwerker zu sehen.

Der Marktplatz

Der zentrale Platz, auf dem die Besucher sich mit Essen (leckere Sachen wie hausgemachte Linsensuppe oder Teigfladen frisch aus dem Ofen!) und Trinken versorgen können. Hier gibt’s neben einigen Verkaufsständen und Toiletten einen Blick auf den Abbundplatz.

An vielen Orten sind Holzstapel mit Feuerholz aufgestellt

Die Drechslerei und die Küferei

Die karolingischen Buchmalereien zeigen oft Möbel mit denselben Formen wie die der gedrechselten Möbel der Merowingerzeit, die u.a. in den Gräbern von Oberflacht gefunden wurden. Der Drechsler auf dem Campus Galli stellt mit der Wippbogen-Drechselbank aus frischem Holz Schüsseln, Werkzeugstiele und Möbel her. Neben der Drechslerei ist der Küfer tätig, er stellt in seiner Werkstatt Holzeimer für die Baustelle her.

Der Küfer bei der Arbeit

Die Bienen

Eine Bienenzucht ist zwar nicht auf dem Klosterplan verzeichnet, aber wegen dem Wachs für die Kerzen und dem Honig als Süssstoff waren die Bienen sehr wichtig. In den Klotzbeuten leben Bienenvölker der friedlichen und wenig schwarmfreudigen Kärntner Biene (Carnica).

Der Heilkräutergarten enthält Kräuter, die eine medizinische Wirkung haben. Sie alle sind im Klosterplan verzeichnet. Um die Zeit der Entstehung des Klosterplans verfasste der Reichenauer Mönch Walahfrid Strabo ein Lehrgedicht über Heilpflanzen (Hortulus).

Die Töpferei

Der Töpfer stellt Krüge, Kannen und andere Aufbewahrungs- und Trinkgefässe für die anderen Mitarbeiter her. Er verwendet Ton, der direkt bei uns auf dem Gelände zu finden ist. Der Brand geschieht im Töpferofen neben seiner Werkstatt oder im Grubenbrand.

Ein tolles und lehrreiches Erlebnis, dieser geführte Rundgang durch dem Campus Galli!

Zum Abendessen fahren wir in den Landgasthof zum Löwen im Sauldorfer Ortsteil Rast…. sehr gute Küche dort….

…. wir nehmen einen Grossen gemischten Salat mit Zanderknusperle, garniert mit Obst…. schmeckt ausgezeichnet!

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