3. (Fortsetzung) Tag: Konzert im Pariser L’Olympia…. I Muvrini aus Korsika

Mittwoch, 4.3.2026

Wir haben I Muvrini (korsisch die Mufflons) schon zwei Mal in Strasbourg gesehen, zwei weitere geplante Konzerte, für die wir Tickets bestellt hatten, am 19.11.2019 in Stuttgart und am 1.4.2020 in Pau wurden wegen Krankheit einiger Bandmitglieder (Stuttgart) und wegen Corona-Lockdown (Pau) abgesagt.

Unsere Tickets für Paris hatten wir schon am 14.11.2024 (!) online gekauft.

Das L’Olympia ist eine Music Hall am Boulevard des Capucines im 9. Arrondissement. Wenn man sich anschaut, wer im L’Olympia schon aufgetreten ist…. alle Achtung…. das liest sich wie das Who’s Who der internationalen Musikszene. Hier finden fast alle Genres der Musik ihre Bühne und Zuschauer.

Vorweg ein paar Worte zum L’Olympia…. wir haben die teuersten Tickets und sitzen in der 3. Reihe…. schade, dass der Boden nicht ansteigend ist, damit man nicht ständig an die Hinterköpfe der Vorderleute gucken muss. Die Sitze sind sehr eng, man sitzt, je länger das Konzert dauert, ziemlich unbequem. Ich habe das Glück, dass der Platz links neben mir frei geblieben ist, so bin ich wenigstens mit meinen Beinen etwas flexibel. 😜

So sieht’s hinter uns aus, als es noch nicht voll ist. Das Konzert ist mit knapp 2’000 Plätzen ausverkauft.

Der Abend beginnt mit dem Sänger César (César Varadero), der letztes Jahr im Team von Florent Pagny das Halbfinale von The Voice erreichte. Der Künstler eröffnet sein Konzert mit einem Set, das eigene Kompositionen auf französisch, darunter seine erste Single Coeur vagabond, und auf korsisch vereint. Er präsentiert zudem einige Coverversionen, darunter eine gefühlvolle Interpretation von Francis Cabrels Song Je l’aime à mourir, die vom Publikum im L’Olympia begeistert aufgenommen wird.

I Muvrini ist eine legendäre Formation, die um die Brüder Jean-François Bernardini und Alain Bernardini herum gegründet wurde. Seit Ende der 1970er Jahre hat sich die Gruppe als einer der grössten Botschafter der korsischen Kultur etabliert und die traditionelle Polyphonie populär gemacht, während sie diese gleichzeitig für andere musikalische Einflüsse öffnete. Von ihren ersten engagierten Aufnahmen bis hin zu grossen internationalen Kooperationen, vom französischen Chanson bis hin zu Begegnungen mit anderen Gesangskulturen, ist es den Korsen gelungen, ein regionales Erbe in eine universelle Sprache zu verwandeln.

Im Laufe der Jahrzehnte hat I Muvrini eine beeindruckende Karriere mit weltweiten Tourneen aufgebaut. Die Gruppe hat nie aufgehört, eine bestimmte Vorstellung von Musik zu vertreten…. eine Musik der Weitergabe, der Erinnerung und des Teilens. Auch ihre jüngsten Aktivitäten stehen in dieser Tradition, zwischen Konzerten, Kulturprojekten und ihrem Engagement in Vereinen für Frieden, Brüderlichkeit und den Schutz des Lebens.

Auf der Bühne des L’Olympia sind die Stimmen unverändert. Die tiefen, einhüllenden Harmonien erinnern sofort an die Kraft der korsischen Polyphonie, während die Bühnenpräsenz von I Muvrini dem Konzert trotz der Grösse des Saals eine fast intime Dimension verleiht. Zwischen einigen emblematischen Stücken wie À voce rivolta oder Alma rückt die Gruppe ihr neues Album Nulu 33 mit Titeln wie Più grande, Nunda ci separi, Ti dò, der Single Passiuniti oder dem Titelsong Nulu 33 in den Vordergrund. All diese Momente bilden ein über zweieinhalbstündiges Konzert, ein wahres Eintauchen in das Herz der korsischen Seele.

Zwischen den Stücken hält Jean-François Bernardini immer wieder Ansprachen. Dabei spielt Humor eine wichtige Rolle: Anekdoten, Augenzwinkern an das Publikum, Selbstironie. Doch hinter dieser Leichtigkeit verbirgt sich stets eine tiefere Botschaft. Die witzigen Einlagen dienen oft als Brücke zu politischen, sozialen oder ökologischen Botschaften. Frieden, Menschenwürde, die ökologische Dringlichkeit oder auch die Notwendigkeit, in einer unruhigen Welt optimistisch zu bleiben, ziehen sich durch diese Äusserungen. Bei I Muvrini ist die Musik nie von einem zutiefst humanistischen Engagement zu trennen.

Ein besonders bewegender Moment des Abends: die Anwesenheit des Chors der Mittelschule von Biguglia (Haute-Corse), der eigens für dieses aussergewöhnliche Konzert angereist war. Die Schüler schlossen sich der Gruppe an, um unter der Leitung ihrer Musiklehrerin drei Stücke in korsischer Sprache zu interpretieren. Das Zusammentreffen der jungen Stimmen mit den tieferen Stimmen der korsischen Sänger verkörpert perfekt die Idee der Weitergabe, die sich durch die gesamte Karriere der Gruppe zieht. Eine musikalische Weitergabe natürlich, aber auch eine sprachliche: durch diese Lieder wird auch die korsische Sprache von Generation zu Generation weitergegeben.

Im L’Olympia erinnern I Muvrini schliesslich daran, was seit fast einem halben Jahrhundert die Stärke ihrer Laufbahn ausmacht: mehrstimmige Gesänge, die in der korsischen Erde verwurzelt sind, aber der Welt zugewandt sind, Lieder, die sowohl berühren als auch zum Nachdenken anregen, und diese unerschütterliche Überzeugung, dass Musik Botschaften des Friedens, der Hoffnung und der Menschlichkeit vermitteln kann.

Ein grosses MERCI 🙏 für diesen hervorragenden Text geht an den Autor Quentinprod

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Ich habe noch einige Videos aufgenommen und bei YouTube hochgeladen:

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Ein grossartiges und sehr bewegendes Konzert….

…. ich hoffe, es klappt irgendwann einmal wieder bei I Muvrini!

Für die Rückfahrt zum Campingplatz haben wir uns ein Fahrzeug von Uber bestellt…. die Fahrt hatte ich schon vor zwei Monaten gebucht…. man weiss ja nie, wie um 23.30 Uhr der Ansturm auf die Fahrzeuge gerade ist…. jedenfalls ist unser Fahrer pünktlich da und fährt uns durch das nächtliche Paris…. er fährt sogar am Arc de Triomphe de l’Étoile über die Place Charles de Gaulle…. kaum Verkehr, wir hatten dieses Erlebnis mit dem Wohnmobil vermieden…. der Fahrer bringt uns sicher zum Campingplatz zurück.

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