Sonntag, 18.10.2026
Wir werden pünktlich abgeholt und los geht’s! Es ist fast die gleiche Strecke wie gestern. In Kairo ist das Wochenende traditionell am Freitag und Samstag. Heute am Sonntag beginnt also die Arbeitswoche…. das sieht man auch am Verkehr…. der ist noch eine Spur heftiger als gestern. Unser Fahrer macht das mit einer Souveränität…. toll!
Apropos Trinkgeld…. wir haben vom Veranstalter der Reise Richtwerte bekommen, was Fahrer, Reiseführer, Kellner, Gepäckträger im Hotel, Personal im Hotelzimmer usw. pro Tag und Person bekommen sollten…. wir haben uns 200 USD in kleinen Scheinen (Vorteil USD…. da gibt’s auch 1 $ Scheine!) mitgenommen, das reicht tatsächlich bis an’s Ende der Reise.
Das Besucherzentrum bei den Pyramiden

Orascom Pyramids Entertainment (OPE) ist eine ägyptische Aktiengesellschaft und eine Tochtergesellschaft der Orascom Investment Holding…. Orascom ist in der Schweiz🇨🇭kein Unbekannter, die Firma gehört der Familie von Samih Sawiris, das Tourismusprojekt Andermatt Swiss Alps ist ein Projekt von Orascom.
Plateau der Gizeh-Pyramiden: OPE hat einen Vertrag mit dem Ägyptischen Obersten Rat für Altertümer, um Besucherdienste, Infrastruktur und kommerzielle Einrichtungen im gesamten Besuchsgebiet der Pyramiden von Gizeh zu entwickeln, zu verwalten und zu betreiben.
Besucher-Services: der Betrieb umfasst die Verwaltung von Shuttlebussen, Golfwagentransport, Ticketoptionen, private Touren, VIP-Dienstleistungen, Restaurants (wie Khufu’s Bistro) und Einzelhandel.
KI WhatsApp Assistant: OPE bietet einen kostenlosen, mehrsprachigen, KI-gestützten WhatsApp-Assistenten unter der Nummer +20 104 328 8426, um Besuchern bei der Planung von Routen, der Überprüfung der Öffnungszeiten und der Navigation durch Sehenswürdigkeiten wie die Grosse Sphinx und die Pyramiden von Khufu, Khafre und Menkaure zu helfen.

Die Pyramiden von Gizeh gehören zu den bekanntesten und ältesten erhaltenen Bauwerken der Menschheit. Sie stehen am westlichen Rand des Niltals, etwa acht Kilometer südwestlich der Stadt Gizeh / Giza. Sie sind rund 15 km vom Kairoer Stadtzentrum entfernt und sind das einzige erhaltene der sieben Weltwunder der Antike. Sie zählen seit 1979 zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Der erste Blick aus der Ferne

Zeit für ein Foto während Bishoy uns die Geschichte der Pyramiden nahebringt.

Hier ein Übersichtsplan…. wir befinden uns zunächst im Bereich vom Ticket Office

Alle sechs Pyramiden auf einem Bild….
…. die Pyramiden von Gizeh, von Süden gesehen…. im Vordergrund die drei kleinen Königinnenpyramiden, dahinter die Pyramide des Mykerinos (altägyptisch Menkaure), in der Mitte die des Chephren (Chafre oder Chaefre) und rechts die des Cheops (Chufu), die Grosse Pyramide. Oben auf dem Plan sind die englischen Schreibweisen eingetragen, da heisst Cheops –> Khufu und Chephren –> Khafre.

Die Pyramiden von Gizeh entstanden etwa von 2’620 bis 2’500 v. Chr. in der 4. Dynastie. Sie wurden auf einem rund 1’000 x 2’000 m grossen Kalksteinplateau errichtet. Bemerkenswert ist, dass beim Bau der Pyramiden keinerlei beräderte Fuhrwerke zum Einsatz kamen, obwohl die Ägypter das Rad zu dieser Zeit wahrscheinlich bereits kannten. Höhenunterschiede beim Bau wurden möglicherweise durch Ziehen der Lasten auf schiefen Ebenen überwunden. Im Besucherzentrum werden Beispiele des Steintransports gezeigt.
Die Cheops-Pyramide ist die grösste der drei grossen Pyramiden….
…. ihre ursprüngliche Seitenlänge wird auf 230.33 m (440 Ellen) und die Höhe auf 146.59 m (280 Ellen) berechnet. Damit war sie rund viertausend Jahre lang das höchste Bauwerk der Welt. Da die Pyramide in späterer Zeit als Steinbruch diente, beträgt ihre Höhe heute nur noch 138.75 m.
Die Steine für die Pyramiden stammen aus verschiedenen Quellen, je nach Art und Verwendungszweck des Materials:
Lokaler Kalkstein (Kernmauerwerk): der Grossteil des Materials, die groben Kalksteinblöcke für das Innere der Pyramiden, wurde direkt vor Ort auf dem Gizeh-Plateau oder in den nahegelegenen Steinbrüchen des Mukattam-Gebirges (nur wenige hundert Meter bis wenige Kilometer entfernt) abgebaut.
Feiner Kalkstein (Verkleidung): für die glatte Aussenhülle wurde besonders hochwertiger, weisser Kalkstein aus den Steinbrüchen von Tura (auf der gegenüberliegenden Nilseite, etwa 13 km entfernt) herangeschafft.
Granit (Kammern und Sarkophage): die schweren Granitblöcke, die für die Königskammern und die Grabkammern verwendet wurden, stammten aus den weit im Süden gelegenen Steinbrüchen von Assuan / أسوان Aswān und wurden über den Nil per Schiff transportiert…. das ist eine Entfernung von knapp 800 km!
Das Licht ist noch nicht so gut…. rechts die Chephren-Pyramide und links die Cheops-Pyramide….
…. die Tribüne ist vermutlich für die abendlich stattfindende Pyramids Sound and Light Show


Die Chephren-Pyramide….

…. und die Cheops-Pyramide


Raufklettern ist verboten….

…. das hätte ich auch ohne Schild nicht gemacht! 😜

Wir haben ja die Pyramiden schon x-mal auf Bildern oder in Filmen gesehen….
…. aber direkt neben fast 5’000 Jahren Geschichte zu stehen….
…. das ist schon noch eine andere Dimension!


In dieser Grube wurde 1954 das Khufu-Schiff (auch Cheops-Schiff genannt), eine intakte altägyptische Sonnenbarke, gefunden.
Dieses Schiff hatten wir gestern im GEM gesehen.

Die Öffnung ist als Tunnel des Al-Ma’mūn (oder auch Robbers‘ Tunnel / Grabräubertunnel) bekannt.
Historischer Einbruch: im Jahr 832 n. Chr. befahl der Bagdader Kalif Al-Ma’mūn seinen Arbeitern, einen Zugang in die Cheops-Pyramide zu graben, um nach verborgenen Schätzen und alten Schriften zu suchen.
Die Methode: da der eigentliche, höher gelegene Originaleingang damals verborgen oder blockiert war, gruben sich die Männer mit roher Gewalt durch das Gestein. Berichten zufolge nutzten sie Feuer, Essig und Rammböcke, um die massiven Kalksteinblöcke zu sprengen und zu durchbrechen.
Heutige Nutzung: dieser künstlich geschlagene Tunnel traf im Inneren zufällig auf die Kreuzung der antiken Originalgänge. Da er wesentlich tiefer liegt und bequemer zu erreichen ist als der originale Eingang, dient genau dieses Loch heute als offizieller Eingang für Touristen, die das Innere der Pyramide besichtigen möchten.
Hier ist ein Beitrag, der sich ausführlich mit diesem und anderen Gängen im Inneren der Pyramide beschäftigt. Was davon stimmt und was Spekulation ist, kann ich natürlich nicht beurteilen.


Langsam füllt sich das Gizeh-Plateau mit Bussen und Touristen…. die Chephren-Pyramide

Die abgebildete Anlage ist die Mastaba des Seschemnefer IV. (auch LG 53) auf dem Südfriedhof der Nekropole von Gizeh, direkt vor der Kulisse einer der Pyramiden. Das Grab wurde um 2’340 v. Chr. für den Beamten Seschemnefer IV. errichtet und ist ein Beispiel für die am Übergang von der 5. zur 6. Dynastie entstandenen mehrräumigen Grabanlagen.
Mastaba (arabisch مصطبة, maṣṭaba, deutsch Steinbank) ist ein nach dem ägyptisch-arabischen Wort für Bank benannter Typ von Grabbauten der altägyptischen Kultur.

Auf dem Kartenausschnitt des Übersichtsplans von oben sieht man die Lage der Mastabas (roter Pfeil) und der beiden Gruben der gefundenen Khufu-Schiffe (blaue Pfeile)

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Einige Fotos aus dem Inneren der Mastaba…. auf den beiden letzten Fotos sieht man vermutlich Seschemnefer IV. selbst. Er war, so steht es in der Wikipedia, Vorsteher des königlichen Harems, das heisst, er war Verwaltungsleiter des Palastbereiches, in dem Frauen und Kinder der Königsfamilie lebten.
In solchen Mastabas wurden die Besitzer oft in verschiedenen Kontexten gezeigt, sei es direkt als lebensgrosse Person oder im Rahmen von Opferszenen als Statue des Grabherrn, vor der Opfer dargebracht wurden. Die feinen Linien, das leicht runde Profil des Gesichts und die typische Konturierung der Augenpartie entsprechen genau den klassischen Darstellungsformen hoher Würdenträger dieser Epoche in Gizeh.







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Rechts die Chephren-Pyramide…. links die Mykerinos-Pyramide

Jetzt geht’s in Richtung der Grossen Sphinx von Gizeh (engl. Great Sphinx of Giza, arabisch أبو الهول abū al-Hawl)
Ein Foto aus grösserer Entfernung….

…. etwas näher….

…. und noch näher!

Zeit für eine Erfrischung…. wir gehen mit Bishoy in’s CAF Cafe…. dort gibt’s guten Kaffee, gekühltes Wasser und einen Lotus Cheesecake mit Karamellgeschmack…. sehr lecker! Und sie haben eine beschattete Aussichtsterrasse auf dem Dach mit einer tollen Aussicht auf die Pyramiden und die Grosse Sphinx wie auf dem Präsentierteller!
Zeit, vieles nochmal mit Bishoy zu besprechen, er beantwortet geduldig und mit viel Fachkenntnis unsere Fragen.
Und es ist auch noch Zeit, um dieses kurze Video zu machen:
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Neben dem CAF Cafe gibt’s noch ein paar Geschäfte….
…. die Spiegelung von der Pyramide und der Sphinx im Schaufenster ist echt!

Hier in Gizeh gibt’s einige kleine Hotels und Pensionen, die eine sensationelle Aussicht haben, ähnlich wie in meinem Video

Das Gelände ist weitläufig abgesperrt, es gibt nur sehr wenige Zugänge, überall sieht man schwer bewaffnete Polizei. Der Tourismus ist für Ägypten eine sehr wichtige Einnahmequelle. Ein Einbruch, wie nach dem Massaker von Luxor 1997, darf sich nicht wiederholen.

Um einmal die Grössenverhältnisse zwischen der Grossen Sphinx und der Chephren-Pyramide zu verdeutlichen:
Ursprüngliche Höhe der Pyramide: 143.5 m (273 Königsellen), heutige Höhe 136.4 m
Seitenlänge: 215.25 m (410 Königsellen)
Länge der Sphinx beträgt rund 73.5 m, wovon 15 m auf die ausgestreckten Vorderbeine entfallen
Die Gesamthöhe beträgt 20.2 m
Das Gesicht der Sphinx ist 4 m breit, der Kopf mit Kopftuch 6 m.


Um nahe an die Sphinx heranzukommen, müssen wir an etwa 200 laufenden Metern Basarständen vorbeigehen. Die Händler mit den festen Ständen sind schon manchmal lästig, aber die fliegenden Händler…. schlimm! Einer wollte mir eine Tutanchamun-Figur verkaufen…. nur 25 $…. der klebte mir die ganzen 200 m an den Fersen, bequatschte mich ständig und wurde immer billiger…. am Schluss waren es nur noch 5 $. Erst als sich Regula einmischte und ihm laut la la la! (nein nein nein!) zurief, liess er von mir ab. Das war er wohl nicht gewohnt, von einer Frau so deutlich heruntergeputzt zu werden!




Geschafft…. der Basar ist hinter uns! 😜

Es die mit Abstand berühmteste und grösste Sphinx. Sie wurde vermutlich in der 4. Dynastie während der Herrschaft von Chephren um 2’520 bis 2’494 v. Chr. errichtet. Nach anderen Angaben war es 2’570 bis 2’530 v. Chr.
Ein ägyptischer Sphinx, Plural Sphinxe oder Sphingen) ist die Statue eines Löwen zumeist mit einem Menschenkopf. Daneben sind auch Widder-, Falken– und Sperberköpfe gebräuchlich.
Bei anderen Völkern des Altertums wurden ähnliche Mischwesen dargestellt, so bei den Phöniziern, Hethitern, Assyrern und insbesondere bei den Griechen.
Das Wort Sphinx (altgriechisch σφίγξ) leitet sich möglicherweise vom griechischen Verb σφίγγειν sphíngein mit der Bedeutung erwürgen, (durch Zauber) festbinden ab oder vom ägyptischen Wort spanch, was übersetzt bedeutet das, was das Leben empfängt. Im Altägyptischen bedeutet schesep anch auch lebendiges Abbild.

Wir stehen hier vor über 4’500 Jahren Geschichte!


Ein Hinterbein


Hier ist noch ein Video über Silvester an den Pyramiden von Gizeh
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Wir fahren zurück zum Hotel. Beim Abendessen erfahren wir von einem deutschen Paar am Nachbartisch, dass sie das GEM, die Pyramiden und die Sphinx an einem Tag besichtigt haben…. das wäre uns zu viel gewesen. Sie hatten keinen persönlichen Reiseführer wie wir…. da gehen so viele Informationen verloren. Wir schätzen es, dass wir uns um nichts kümmern müssen…. kein Taxi, keine Eintrittskarten, kein Check-in…. das erledigt alles der Reiseführer und er versorgt uns dazu noch mit allem, was wir wissen müssen und auch wissen möchten. Es ist das erste Mal, dass wir so verreisen…. aber auch sicher nicht das letzte Mal.
Morgen ist letzter Tag in Kairo, da geht’s zur Zitadelle von Saladin, zur Muhammad-Ali-Moschee und in’s koptische Viertel.
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