9. Tag: Hansestadt Wismar…. Hafen und Altstadt

Samstag, 3.5.2025

Es ist nur ein Katzensprung nach Wismar…. bei Niendorf halten wir an der B 106 an der Sprint-Tankstelle an…. nicht zum tanken, sondern zum reinigen der Frontscheibe…. vor lauter toten Insekten sehen wir fast nichts mehr!

Map data ©2025 Google

Wir fahren zum Wohnmobilpark Westhafen, den Platz kenne ich bereits. Als wir um die Mittagszeit ankommen, sind gerade noch ein paar Parzellen frei…. am Abend ist der Platz dann ganz gefüllt.

Wismar hatte ich bereits am 2.11. und 3.11.2019 besucht, die Stadt ist also bekannt.

Wenn der Stellplatz am Westhafen ist, dann ist es naheliegend, dass unser Stadtrundgang am Hafen beginnt.

Die ehemaligen MV Werften wurden 2022 wegen Insolvenz liquidiert. Neuer Eigentümer wurde die thyssenkrupp Marine Systems (TKMS). Seit dem Konkurs der Werft suchte der Insolvenzverwalter einen Käufer für die in Bau befindliche Global Dream. Im November 2022 wurde die Global Dream schliesslich an Disney Cruise Line verkauft und soll unter Federführung der Meyer Werft in Wismar fertig gebaut werden.

Der Insolvenzverwalter hat die Werft vom neuen Eigentümer TKMS zurückgemietet und für die Fertigstellung des in der Dockhalle befindlichen Kreuzfahrtschiffes an Meyer Wismar untervermietet. Als Baupreis waren zuvor 1.5 Mrd. € genannt. Das unfertige Schiff wurde angeblich aber für 40 Mio. € (!) an Disney Cruise Line verkauft.

Die Umbaukosten werden auf 1 Mrd. € geschätzt, weil die neue Eigentümerin ein radikal anderes Konzept verfolgt. Unter anderem soll die Schiffsmaschine auf Methanol umgestellt, die Belegung pro Kabine auf mehrheitlich zwei statt vier Personen reduziert und Luxussuiten in vorgetäuschten Schornsteinen eingerichtet werden.

Das überdachte Baudock, dessen Halle 72 m hoch, 155 m breit und über 395 m lang ist.

Photo by Sebastian Krauleidis, Fotograf / MV Werften, License CC BY-SA 4.0

Infografik zur Global Dream

Drawing by MV Werften, License CC BY-SA 4.0

Mit dem neuen Namen Disney Adventure verliess das Schiff am 19. April 2025 die Werfthalle. Es soll im Dezember 2025 in Singapur den Betrieb aufnehmen und danach für mindestens fünf Jahre dort stationiert werden. Sie soll mehrtägige Kreuzfahrten ab Singapur unternehmen und alle Tage ausschliesslich auf See verbringen.

Ein Video des ersten Kreuzfahrtschiffs der Global Class für Dream Cruises. Ab 2022 Weiterbau als Disney Adventure für Disney Cruise Line. Die Ablieferung ist für Ende 2025 vorgesehen.

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Noch ein Video über das Ausdocken der Disney Adventure…. gigantisch!

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Wismar besitzt einen Seehafen, der bereits 1211 urkundlich erwähnt wurde. Er hat Bedeutung vor allem für Massengüter und massenhafte Stückgüter. Hauptsächlich werden hier Rund- und Schnittholz, Stahl und Schrott, Torf, Baustoffe und über die Ende der 1990er Jahre komplett neu gebaute Massengutanlage Kali und Salz umgeschlagen.

Die Atalanta ist ein im Jahr 1901 erbauter Lotsenschoner, der in dieser Funktion von 1901 bis 1929, damals unter dem Namen Cuxhaven, in der Elbmündung segelte. Seit 1995 gehört das Schiff dem Förderverein Schoner ATALANTA e.V. Wismar.

Die Wissemara, hier im Alten Hafen von Wismar, ist ein vom Wrackfund Poel 11 inspirierter Nachbau einer Hansekogge. Dieser Nachbau erfolgte in bewusster Anlehnung an Schiffsbaumethoden des 14. Jahrhunderts.

Das Schiff wurde am 29. Mai 2004 per Stapelhub ins Wasser gesetzt und auf den Namen Wissemara getauft. Nach dem Setzen des Mastes, dem Bau des Achterkastells, der Montage eines Hilfsmotors und weiterer Arbeiten erfolgte am 9. August 2006 die Jungfernfahrt der Kogge zur Hanse Sail nach Rostock.

Es ist ganz schön was los heute…. Samstag und schönes Wetter…. alles klar!

Noch heute erinnern viele Spuren in Wismar an eine bedeutende historische Epoche: die Schwedenzeit.
Der Dreissigjährige Krieg trifft die Hansestadt schwer. Bereits im Jahr 1632 wird sie von schwedischen Truppen besetzt. Im Westfälischen Frieden 1648 wird Wismar offiziell Schweden zugesprochen.

Dank ihrer strategisch günstigen Lage und ihres verbliebenen Reichtums ist die Stadt über Jahrhunderte hinweg ein begehrtes Ziel nordischer Mächte. Belagerungen, Kriege, Brände und Plünderungen prägen diese Zeit.

Im Jahr 1803 verpfändet Schweden die Stadt für 1’250’000 Taler an Mecklenburg, ein sogenannter Pfandvertrag auf hundert Jahre. Erst 1903 wird Wismar endgültig wieder mecklenburgisch. Vor dem Baumhaus am Alten Hafen ruhen die bekannten Schwedenköpfe, ein beliebtes Fotomotiv und Symbol für die Schwedenzeit.

Ein verspätetes Mittagessen gibt’s bei Sprotten Hannes Fisch & so…. kleine Gerichte und sehr leckere Fischbrötchen!

Der Löwe-Speicher, ein ehemaliger Getreidespeicher

Das Wassertor an der Wasserstrasse im Nordwesten des historischen Stadtkerns ist ein Hafentor im Stil der Backsteingotik und das letzte erhaltene von ehemals fünf Stadttoren der Wismarer Stadtbefestigung.

Am Lohberg

Brauhaus am Lohberg

Im Jahre 1660 ist von dem new erbawten Gewölbe am Wasser die Rede. Die Vorsteher des Ratskellers, die so genannten Weinherren, prüften hier im 17. und 18. Jahrhundert im Hafen angelieferte Weine auf ihre Qualität, bevor diese weiter ins Rathaus gelangten. 1664 wurde per Kontrakt dem Ratskellerpächter das Ober-logiment beym Wasser mitverpachtet und es wurde im Gewölbe durch Pächter Bier ausgeschenkt. Die Nutzung des Hauses änderte sich, als 1864 Joachim Wesenberg seine Fisch- und Aalräucherei hierher verlegte. Bis 1991 wurde im Laden Fisch verkauft.

Blick aus der Luft auf die Wismarer Altstadt

Photo by Carsten Steger, License CC BY-SA 4.0

Die Nikolaikirche, auch St.-Nikolai-Kirche, wurde 1381 bis 1487 als Kirche der Seefahrer und Fischer erbaut. Sie gilt als Meisterwerk der Spätgotik im nordeuropäischen Raum. Sie ist als Teil der Wismarer Altstadt seit 2002 auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes verzeichnet.

Das Hauptschiff ist mit 37 Metern Gewölbehöhe das vierthöchste Kirchenschiff Deutschlands und das zweithöchste im Sakralbau der Backsteingotik, wobei die Marienkirche in Lübeck nur um 1.5 m höher ist als die Nikolaikirche.

Der Thomasaltar stand ursprünglich in der Kirche der Dominikaner und nach der Auflösung des Konvents im Jahr 1562, in der Georgenkirche, auch St.-Georgen-Kirche genannt. Das doppelflüglige Triptychon wurde um 1500 geschnitzt und gemalt. Im mittleren Teil befindet sich Thomas von Aquin, der wichtigste Theologe des Dominikanerordens, zwischen dem Erzbischof Thomas von Canterbury und dem Apostel Thomas.

Der Krämeraltar wurde um 14301440 vermutlich in Wismar geschnitzt. Er stand über viele Jahrhunderte in einer eigens errichteten Kapelle in der Marienkirche, auch St.-Marien-Kirche. 1832 brach die Gemeinde die Krämerkapelle ab und verwahrte den Altaraufsatz an einem bislang unbekannten Ort. 1910 sanierte die Gilde den Aufsatz und stellte ihn in der Marienkirche auf. Nach deren Zerstörung verbrachte die Gemeinde den Altar in die Nikolaikirche.

Der Steinsarkophag der Johanna von Friesen aus dem 18. Jh.

Das Kreuzigungsretabel um 1500 stammt aus der Georgenkirche.

Die Schweinsbrücke über dem Mühlenbach

1989 wurde die detailgetreue Figurengruppe von vier Schweinen auf den Geländerpfosten vom Bildhauer Christian Wetzel geschaffen. Sie sollen an die Zeiten erinnern, als noch Schweine vom Anger am Poeler Tor über diese Brücke in die Stadt oder zum Markt getrieben wurden, woher die Brücke ihren Namen Schweinsbrücke hat, so wie auch die Strasse.

Der historische, fast quadratische und etwa 1 Hektar grosse Markt von Wismar mit dem ältesten Bürgerhaus Alter Schwede aus dem Jahr 1380…. der Alte Schwede ist ein sehr gut bewertetes Restaurant!

Die Wismarer Wasserkunst auf dem Markt gilt als Wahrzeichen der Stadt. Sie ist ein Bauwerk nach Plänen des Utrechter Baumeisters Philipp Brandin und funktionierte nach dem Prinzip des Laufbrunnens. Die Umsetzung dieser Pläne dauerte von etwa 1579 bis 1602.

Laufbrunnen speisen sich aus Wasserleitungen, früher Röhrenfahrten, die das Wasser aus Quellen oder Fliessgewässern zuführen. Diese Versorgungsanlagen wurden früher als Wasserkunst bezeichnet.

An einem Stück Mohnkuchen im Café Hegede am Markt führt kein Weg vorbei! 😜

Das Foto ist zwar von meinem Besuch im Jahr 2019…. aber es sieht heute noch genauso aus! 😉

Der ehemalige Sitz des Archidiakonats in der Sargmacherstrasse, Wohnhaus des Archidiakon (auch Erzdiakon), der in der römisch-katholischen Kirche von der Spätantike bis in die Frühe Neuzeit als Stellvertreter eines residierenden Bischofs wesentliche Verwaltungsaufgaben wahrnahm.

Die Marienkirche, auch St.-Marien-Kirche, ist im Zentrum der Altstadt Wismars, am St.-Marien-Kirchhof, zwischen Markt und Fürstenhof gelegen. Sie gehört zu den ältesten Bauwerken der Hansestadt. Ihr im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigtes Schiff wurde 1960 gesprengt. Nur noch der 80.5 Meter hohe Turm ist erhalten. Die Backsteinfundamente auf dem Platz markieren die Umrisse des Kirchenschiffs. Eine zwischenzeitlich geplante Rekonstruktion wurde 2017 aufgegeben und der Förderverein löste sich auf.

Ein Foto der Marienkirche um 1930

Photo by Archiv Kirchgemeinde Wismar, License CC0 1.0 Public Domain

Die Tauzieher am Wismarer Marienkirchturm von Karl-Henning Seemann…. die Darstellung versinnbildlicht das gemeinsame Ringen um eine beste Lösung. All trecken an eenen Strang. Wenn de een los lött, föllt de anne up’n Noors (Zitat Seemann)

Bronzeskulptur Liegende Sofia von Bärbel Dieckmann…. die Schuhe scheint ein Scherzbold hingestellt zu haben…. es sieht aber noch recht lustig aus!

In der Nordkapelle des Kirchturms finden wechselnde (Kunst-)Ausstellungen statt.

In der Südkapelle des Turms ist der Dialog des Geistes zu hören. Die sechs Terrakottafiguren von Petrus bis zum Pilger, die hier in einem Dialog vereint sind, sollen ein Symbol für die Bereitschaft zum Gespräch sein. Als Vertreter unterschiedlicher Kulturen und Religionen treten sie mit Originalzitaten, gesprochen von dem Schauspieler Bruno Ganz, aus ihren Schriften in einen Dialog über Gott und seine Schöpfung.

Das Kittchen…. früher war es die Jugendarrestanstalt, heute ist es ein Hotel!

Der Fürstenhof in der Strasse Vor dem Fürstenhof…. es ist ein bedeutendes Bauwerk der mecklenburgischen landesfürstlichen Residenzarchitektur. Er stellt nicht nur das erste bedeutende Renaissance-Bauwerk Mecklenburgs dar, sondern bildet auch den stilbildenden Prototyp des Johann-Albrecht-Stils, dem für diese Epoche grosse regionale Bedeutung zukommt.

Heute ist der Fürstenhof Sitz des Amtsgerichts Wismar.

Der Innenhof….

…. der Blick zum Turm der Marienkirche

Die Georgenkirche, auch St.-Georgen-Kirche genannt, gehört neben der Marienkirche und der Nikolaikirche zu den drei monumentalen gotischen Sakralbauten der Wismarer Altstadt. Ausgehend von der Baumasse und dem umbauten Raum ist die um 1295 begonnene Georgenkirche das grösste dieser Bauwerke. Zugleich ist es auch der jüngste Kirchenbau und gilt als das Wunder von Wismar.

Das Wunder von Wismar bezieht sich auf den Wiederaufbau der stark zerstörten St. Georgen Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Kirche, eine der grössten Backsteinkirchen in Nord– und Ostdeutschland, war zu einer Ruine verfallen und wurde erst nach der Wende wiederaufgebaut. Der Wiederaufbauprozess war langwierig und wurde durch Spenden und das Engagement vieler Beteiligter ermöglicht, weshalb er als Wunder bezeichnet wird. 

Die zukünftige Nutzung der Georgenkirche soll in einer Kombination von Gotteshaus und Kulturkirche liegen.

Die Rückführung mittelalterlicher Ausstattungsstücke aus anderen Kirchen, wie das Hochaltarretabel aus der Zeit um 1430, das nach seiner Restaurierung im Jahr 2008 in der Südvorhalle der Nikolaikirche steht, ist noch umstritten und wird im Zusammenhang mit der zukünftigen Nutzung zu sehen sein.

Im aufgeklappten Zustand ist der Flügelaltar etwa 10.5 Meter breit und mit Predella und Bekrönung 4.42 Meter hoch und damit das grösste Retabel seiner Art im ganzen Ostseeraum.

Die Marienkrönung im Zentrum des Hochaltarretabels…. der Altar aus der Georgenkirche steht in der Nikolaikirche

Photo by Arnoldius, License CC BY-SA 3.0

Man sieht schon an der Beleuchtung und….

…. der Art der Bestuhlung, in welche Richtung die zukünftige Nutzung geht. Ebenso wurde eine Fussbodenheizung im Zuge der Wiederherstellung eingebaut. Diese soll nicht nur für eine langsame Trocknung des Gebäudes sorgen, sondern auch bei Veranstaltungen für eine Mindesttemperatur von >12 °C sorgen.

Dankwartstrasse

Lübsche Strasse

Das Welt-Erbe-Haus neben der Tourist-Information Wismar

Die vierte und letzte Kirche für heute…. die Heiligen-Geist-Kirche gehört zum Heiligen-Geist-Hospital, das Mitte des 13. Jahrhunderts in der Altstadt von Wismar gegründet wurde. Die Kirche war eine Spitalkirche, in der Kranke und Bedürftige versorgt und gepflegt wurden.

Diese Figuren stehen aussen seitlich an der Kirche

Der Hauptaltar aus gotischer Zeit wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in barocker Art umgebaut.

Der Innenraum wirkt hell und leicht. Überspannt wird dieser Raum durch eine kunstvoll bemalte Holzbalkendecke aus dem 17. Jahrhundert. Sie ist etwa 40 Meter lang und 14 Meter breit. Die Decke ist im Farbwechsel rot-gelb-weiss, der sich neunmal wiederholt, ausgeführt. Die Decke zeigt in 26 Bildern eine gewaltige Darstellung der biblischen Geschichte, die in Medaillon dargestellt sind.

Die Wangen des Gestühls wurden nach den Datierungen von 1571 bis 1589 aus Eichenbohlen angefertigt. Nach neueren Untersuchungen gilt dieses Kirchengestühl als das älteste evangelische in Deutschland. Die Wangen zeigen verschiedene Zugehörigkeiten wie z. B.: die der Bader, der Ankerschmiede, des Scharfrichters, der Schifferkompagnie usw.

Die Lübsche Strasse führt fast bis zum Stellplatz

Wismar gefällt uns sehr gut…. eine tolle und sehr sehenswerte Stadt!

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