7. Tag: Nach Le Tréport und auf die Falaise du Tréport, die höchste Kreidefelswand Europas

Sonntag, 8.3.2026

Leider ist es heute genauso dunstig, grau und trüb wie gestern!

Unser nächstes Ziel ist das knapp 30 km entfernte Le Tréport….

Map data ©2026 Google

…. wo wir auf den Camping Paradis Les Boucaniers möchten. Um 11.15 Uhr sind wir an der Rezeption, sie haben auch freie Plätze, aber man erklärt uns, dass ein Einchecken erst ab 14.00 Uhr möglich wäre. Und was machen wir in den knapp 3 Stunden? Wir können ja vor dem Platz parken!

Vielen Dank! Das machen wir natürlich nicht und fahren auf die direkt daneben liegende Aire de Camping-Car de Sainte-Croix. Es ist ein schöner Stellplatz und für 12 € knapp nur etwa halb so teuer wie der Campingplatz. Der Platz ist gut besucht, dennoch können wir uns so hinstellen, dass rechts und links von uns je ein Parkfeld frei ist…. das bleibt auch bis zu unserer Abfahrt so!

Le Tréport hat etwa 4’500 Einwohner und gehört zum Département Seine-Maritime in der Region Normandie. Die Stadt liegt an der Küste des Ärmelkanals (kurz auch Der Kanal, englisch English Channel, wörtlich Englischer Kanal, französisch La Manche, wörtlich Der Ärmel, bretonisch Mor Breizh, wörtlich Das Meer der Bretagne, kornisch Mor Bretannek, wörtlich Britische See), an der Mündung der Bresle in einer Lücke der Felsenküste. Die Bresle markiert nahezu auf ihrer gesamten Länge den Grenzverlauf zwischen den Regionen Normandie und Hauts-de-France.

Entlang dem Ancien Canal de Penthièvre führt der Weg in’s Stadtzentrum von Le Tréport.

Unsere Wanderung ist heute etwa 6.5 km lang

Maplibre | © komoot | Map data © OpenStreetMap-Mitwirkende

Es geht vorbei an Hafenanlagen und Schiffsliegeplätzen über den Quai de la Retenue….

…. zum Quai Sadi Carnot

Auf dem Schild, offenbar wurde das Foto während des Kriegs aufgenommen, heisst es:

Auf den Kais werden französische, belgische, englische und amerikanische Uniformen schon bald Spitzenkleider, Zylinder und Melonen ablösen.

Eine Silbermöwe…. französisch Goéland!

Wunderschön…. ein Jaguar E-Type!

So sieht’s hier heute aus….

…. und morgen, als wir hier wieder vorbeikommen, sieht’s dann so aus!

Und noch ein Goéland!

Au bord de l’eau 76

Quai de la République

Schönes Wortspiel….

…. Hôtel Le Riche’Lieu…. auf deutsch der reiche Ort…. und Kardinal Richelieu….

…. was so ein Apostroph alles ausmacht! 😜

Die Église Saint-Jacques du Tréport…. da kommen wir später noch hin

Fischerboot vor den Falaises de Mers-les-Bains (Steilküste)….

…. Mers-les-Bains ist der Nachbarort von Le Tréport auf der anderen Seite der Bresle.

Obwohl am Quai François 1er zahllose Restaurants sind, ist es gar nicht so einfach, heute am Sonntag einen freien Tisch für 2 Personen zu bekommen…. in der Brasserie Mer-Sea werden wir fündig, dort gibt’s leckere Fischgerichte. Die Google-Bewertung von 4.3 geht absolut in Ordnung.

Das darf natürlich nicht fehlen…. das Carrousel 1900!

Der Phare du Tréport…. es ist Kiesstrand, kein Sandstrand!

Das Casino JOA du Tréport

Die Groupe JOA ist der zweitgrösste Casino-Betreiber in Frankreich mit über 30 Standorten, die neben Glücksspiel auch Restaurants (Comptoir JOA), Bars und Unterhaltung bieten. JOA steht für Jouez, Osez, Amusez-vous (Spielen, wagen, Spass haben).

Das Casino municipal (Städtisches Casino)

Die Inschrift: Während des Ersten Weltkriegs wurden im Casino Verwundete untergebracht. Es wurde damals zum provisorischen Krankenhaus Nr. 18 mit 160 Betten.

Das ursprüngliche Gebäude wurde zwischen 1896 und 1897 errichtet. Es war ein markantes Wahrzeichen der Belle Époque und zog die Pariser Oberschicht an, die mit der Eisenbahn an die Küste reiste.

Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde das historische Casino von den deutschen Truppen vollständig abgerissen, um freies Schussfeld für die Verteidigungsanlagen am Strand zu schaffen.

Unmittelbar nach der Befreiung im Jahr 1945 gab es Bestrebungen, den Casinobetrieb schnell wieder aufzunehmen. 1947 wurde zunächst ein provisorisches Casino in Baracken eröffnet, die zuvor den Forces françaises libres (Freie Französische Streitkräfte) gedient hatten.

Das historische Quartier des Cordiers (Quartier der Seiler) unterhalb der Falaise du Tréport, sie ist mit einer Höhe von bis zu 110 Metern die höchste Kreidefelswand Europas. Sie bildet den spektakulären Auftakt der Côte d’Albâtre (Alabasterküste) die sich von hier aus rund 120 km in Richtung Westen bis Le Havre an der Mündung der Seine erstreckt.

Das Quartier des Cordiers ist das historische Herzstück von Le Tréport und liegt direkt am Fusse der gewaltigen Kreidefelsen. Es ist vor allem für seine maritime Geschichte und die charakteristische Architektur bekannt.

NamensgebungCordiers bedeutet übersetzt Seiler. Das Viertel war ursprünglich die Heimat der ärmeren Fischer. Da sie sich keine teuren Netze leisten konnten, fischten sie mit langen Seilen (cordes), an denen hunderte Angelhaken befestigt waren.

Einzigartige Architektur: das Viertel zeichnet sich durch extrem schmale, mehrstöckige Backsteinhäuser aus, die oft farbenfrohe Fassaden und schmiedeeiserne Balkone besitzen. Diese schmale Bauweise rührt daher, dass das Land mühsam durch Aufschüttungen dem Meer abgerungen wurde und Platz daher Mangelware war.

Keramik-Verzierungen: viele Hausfassaden sind mit kunstvollen Keramikplatten geschmückt, die Meeresmotive zeigen. Diese dienten früher dazu, die soziale Stellung der Bewohner zu zeigen oder das Haus in der Monochromie der Gassen zu personalisieren.

Kulturelles Erbe: in den Gassen wurde früher die Wäsche im Winter auf den Balkonen getrocknet, im Sommer legte man sie einfach auf den Kieselstrand und beschwerte sie mit Steinen.

Blick auf die Falaise du Tréport und das Quartier des Cordiers

Wir haben die Wahl…. entweder mit dem Funiculaire du Tréport, einem Schrägaufzug bequem nach oben zu fahren…. oder die Treppe zu nehmen….

Photo by Roloff, License CC0 1.0 Public Domain

…. wir nehmen die Treppe…. die Aussicht ist schöner und es ist gesünder! 😜

Auf dem Foto sieht man links die Treppe und etwa in der Mitte die Einfahrten des Aufzugs.

Obwohl offiziell als Funiculaire bezeichnet, ist die Standseilbahn in Le Tréport technisch gesehen eigentlich keine Seilbahn, sondern eine Kombination aus vier eigenständigen Schrägaufzügen. Der Name geht zurück auf die ursprünglich an der selben Stelle verkehrende Standseilbahn aus dem Jahr 1908.

Photo by Zairon, License CC BY-SA 4.0

Ein Video des Funiculaire du Tréport

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Na, dann mal los…. es sind ja nur 378 Stufen! 😜

Das Musée du Vieux-Tréport…. dieses kleine Museum befindet sich im ehemaligen Gefängnis und im ehemaligen Rathaus von Le Tréport. Dahinter im Dunst Mers-les-Bains und die Falaises de Mers-les-Bains.

Blick auf das Quartier des Cordiers

Dieser blöde Dunst 😡🤬 ….

…. bei schönem Wetter würde es so aussehen….

Photo by Philippe Alès, License CC BY-SA 3.0

…. oder zusätzlich mit einem starken Teleobjektiv sieht man sogar die Fassaden von Mers-les-Bains

Photo by Zairon, License CC BY-SA 4.0

Es kommt immer wieder zu tödlichen Unfällen, wie hier am 11. Dez. 2023 oder am 15. Mai 2025. Am 18. Feb. 2014 stürzte gar eine Frau mit ihrem Fahrzeug 80 m in die Tiefe…. sehr wahrscheinlich war es eine Selbsttötung. Ausserdem gab es am 21. Januar 2024 aufgrund von Frost und Tauwetter einen grösseren Abbruch von Gestein an der Klippe. Es ist also auch gefährlich, unten an der Klippe herumzulaufen.

Der Calvaire des Terrasses

Text auf der Informationstafel
Der Calvaire wurde ursprünglich im Jahr 1860 aus Holz erbaut. Das heutige Kreuz aus dem Jahr 1887 wurde während der deutschen Besatzungszeit zur Place de l’Église (Kirchplatz) gebracht, um es dort in Sicherheit zu bringen. 1948 wurde es von Männern auf dem Rücken zurückgetragen und wieder auf der Klippe aufgestellt.

Der Table d’orientation auf der Besucherplattform

Herunter nehmen wir diesmal nicht die Treppe, sondern die Strasse

Elektroinstallation…. 😱 😕

In der Rue Saint-Michel….

…. es ist jetzt mittlerweile etwa 16 Uhr…. und immer noch ist es dunstig….

…. das beliebt wohl den ganzen Tag…. sehr schade!

La Croix de Grès (das Sandsteinkreuz)

Dieses religiöse Denkmal, das gemeinhin als La Croix de Pierre (das Steinkreuz) bezeichnet wird, besteht in Wirklichkeit aus Sandstein. Das Kreuz, das hier stand, wurde nach der Pestepidemie entworfen, die 1618 die Stadt Le Tréport, wie einen Grossteil des Landes, heimgesucht hatte. Es handelt sich um ein Votivbild, das die Dankbarkeit der Bevölkerung von Le Tréport nach dem Ende der Ausbreitung der Krankheit zum Ausdruck bringt.

Ursprünglich am unteren Ende der Grande Rue errichtet, die später zur Rue de la Commune de Paris wurde, stellte dieses Denkmal angesichts des zunehmenden Verkehrsaufkommens ein Hindernis dar. Es stürzte 1840 um. Nach seiner Wiederherstellung wurde es einige Jahre später an diesen Platz verlegt.

Das Kreuz wurde im September 1913 unter Denkmalschutz gestellt, zu Beginn des 20. Jahrhunderts und dann erneut im Jahr 2008 renoviert, im August 2024 wurde es Opfer eines Vandalismusaktes. Anlässlich der im Herbst 2025 begonnenen Strassenbauarbeiten wurde das Kreuz bis zu seiner Restaurierung, zu der sich die Stadt Le Tréport verpflichtet hat, abgebaut.

Le Presbytère (das Pfarrhaus)

Die Église Saint-Jacques du Tréport vereint zwei wesentliche Baustile: die Gotik und die Renaissance. Das im 14. Jahrhundert begonnene Bauwerk besticht durch seine markante Fassade im regional typischen Schachbrettmuster aus Sandstein und Feuerstein.

Gotische Elemente:
Der markante Kirchturm ist im gotischen Stil gehalten.
Das Gebäude folgt dem klassischen Grundriss eines lateinischen Kreuzes.
Im Inneren finden sich flamboyante Glasfenster, die für die späte Gotik charakteristisch sind.

Renaissance-Elemente:
Das prachtvolle Eingangsportal sowie das fein verzierte Tympanon stammen aus der Renaissance.
Ein besonderes Highlight sind die hängenden Schlusssteine (pendentifs) im Gewölbe des Kirchenschiffs, wobei der grösste eine Höhe von 3.80 m erreicht.

Regionale Bauweise:
Die Aussenwände zeigen ein für das Pays de Caux typisches Damiermuster (ähnlich Schachbrettmuster) aus dunklem Feuerstein und hellem Kalkstein (Stein aus Caen).

Die Kirche wurde bereits im Jahr 1840 als Monument historique (historisches Monument) klassifiziert

Das riesige Ölgemälde (ca. 5.2 x 4.5 m) wurde 1877 von dem französischen Künstler Albert Aublet geschaffen. Die Szene stellt biblisch die Sturmbändigung dar, bei der Jesus Christus den Sturm auf dem See Genezareth beruhigt. Es wird berichtet, dass die Gesichter der Schiffbrüchigen auf dem Gemälde denen lokaler Fischer aus Le Tréport nachempfunden sind.

La Rampe Napoléon

Auf dem Molenkopf werden die sich ausruhenden Fischer den belgischen und nordfranzösischen Flüchtlingen Platz machen, sowie den Verwundeten in der Genesungsphase.

So sieht die Rampe Napoléon heute aus

Nach der Rampe Napoléon ist man wieder am zentralen Quai François 1er

Wir machen uns auf den Rückweg….

…. und beschliessen, morgen noch hier zu bleiben und eine Wanderung nach Mers-les-Bains und nach Eu zu machen, das Wetter soll morgen besser sein…. sagt die Wetter App…. schau’n wir mal! 😜

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