Freitag, 27.3.2026
Ein ist nur ein kurzer Fussmarsch vom Campingplatz in das Barrio (Quartier) Rosales del Canal zur Bushaltestelle Johan Sebastián Bach N.º 65 in der gleichnamigen Calle Johan Sebastián Bach. Von dort aus geht es eine knappe Stunde in’s Zentrum, das Casco Antiguo von Zaragoza.
Zaragoza ist mit knapp 700’000 Einwohnern nach Madrid, Barcelona und València die viertgrösste Stadt Spaniens. Bei unserem letzten Besuch im Herbst 2023 lag Zaragoza noch hinter Sevilla auf dem fünften Platz.
In der Avenida de César Augusto nahe der Puerta del Carmen in der Nähe vom 4-Sterne-Hotel INNSiDE steigen wir aus….

Die Iglesia de Santiago El Mayor

Die Plaza de Miguel Salamero…. was früher eine stark betonierte, vom Autoverkehr geprägte Fläche war, wurde in eine grossflächige, grüne Fussgängerzone mit 18 großen Beeten (Parterres), zahlreichen neu gepflanzten Bäumen, Kletterpflanzen und modernen Pergolen verwandelt.



In der Calle del Coso….

…. und der Calle de Alfonso I mit Blick zur Catedral-Basílica de Nuestra Señora del Pilar

Das Gran Café Zaragoza in der Calle Alfonso I bekannt) ist ein traditionsreiches und historisches Café im Herzen von Zaragoza.

Blick in die Calle Miguel Molino

Was uns heute extrem stört…. der Wind, nein, es ist fast ein böiger Sturm, der durch die Häuserschluchten bläst! Nicht nur, dass der Wind kalt ist, er wirbelt auch, teils sehr unangenehm, Staub und Dreck auf.
Es ist der Cierzo (katal. Cerç), der durch das Tal des Ebro im Nordosten Spaniens Richtung Mittelmeer bläst…. ein kalter, trockener und böiger Wind. Er entsteht durch Druckunterschiede zwischen dem Mittelmeer und der Biskaya.
Der Cierzo, in der Zeichnung mit seinem katalanischen Namen Cerç, bläst wie der Mistral und der Cers durch ein Tal zum Mittelmeer hin. Der Wind tritt im Ebro-Tal sehr häufig auf und kann in jedem Monat des Jahres wehen. Im Zentrum des Tals können Windböen von 100 km/h auftreten. Die höchste gemessene Windgeschwindigkeit lag den verfügbaren Daten zufolge im Juli 1954 bei 160 km/h.


Auf der Plaza de Nuestra Señora del Pilar…. Blick zum Globo terráqueo (Globus), zum Fuente de la Hispanidad (Brunnen der Hispanität) und dahinter die Iglesia de San Juan de los Panetes

Die Catedral Basílica de Nuestra Señora del Pilar oder Santo Templo Metropolitano de Nuestra Señora del Pilar oder kurz Basílica del Pilar….


…. und darum geht es in der Basilica: die Virgen del Pilar (Unsere Liebe Frau auf dem Pfeiler)
Heute trägt sie einen schwarzen Mantel, am 2., 12. und 20. eines Monats wird das Gnadenbild ohne Mantel gezeigt.

Bild ohne Mantel

Die Santa Capilla de Nuestra Señora del Pilar (die Heilige Kapelle)
Die Kapelle ist ein Meisterwerk des spanischen Barocks und wurde zwischen 1750 und 1765 von Ventura Rodríguez entworfen.

An den Säulen hängen nicht explodierte Bomben, die während des Spanischen Bürgerkriegs im Jahr 1936 auf die Kirche abgeworfen wurden. Die ausgestellten Fahnen repräsentieren Länder, die eine enge historische Verbindung zu Spanien haben, wie Haiti, Costa Rica, Mexiko, Peru und El Salvador.

Ein schönes Ensemble aus Nationalflaggen…. zu den sichtbaren Flaggen gehören die von Portugal und Brasilien auf der linken Seite, sowie Ecuador, Venezuela, Kolumbien und Panama im zentralen Bereich. Diese Installation dient als Symbol der Union und des Schutzes der lateinamerikanischen Länder unter der Verehrung der Jungfrau.

Hier spielt die Geschichte der Heiligen Säule, die in der Basílica del Pilar verehrt wird…. ein Objekt aus Jaspis, das im Laufe der Jahrhunderte von Millionen von Gläubigen buchstäblich mit Küssen abgenutzt wurde. Es ist der Mittelpunkt der Verehrung, an dem Tradition und Glaube aufeinandertreffen.
Gläubige verehren hier traditionell die Jaspissäule, von der überliefert ist, dass die Jungfrau Maria sie im Jahr 40 n. Chr. hinterliess. Der Pfeiler ist in einem kunstvollen Rahmen aus Marmor und Gold gefasst und befindet sich in einer der bedeutendsten marianischen Wallfahrtsstätten Spaniens.

Aqui se venera y se besa el pilar (Hier wird die Säule verehrt und geküsst)….. und das machen auch die meisten Besucher!
Gläubige küssen traditionell die Säule durch die ovale goldene Öffnung auf der Rückseite des Altars als Zeichen des Glaubens.

Retablo del altar mayor (Altarbild des Hoch- oder Hauptaltars)
Es wurde zwischen 1509 und 1518 von Damián Forment aus polychromem Alabaster mit einer Holzverkleidung hergestellt und ist Mariä Himmelfahrt gewidmet. Der Stil der Altarbildarchitektur ist spätgotisch, obwohl die figurativen Szenen vollständig Renaissance-Merkmale aufweisen…. ok, das sind Feinheiten, die können wir gar so nicht beurteilen.
In dem Eintrag zu Damián Forment steht auch, dass neben den beiden oben genannten Kunstrichtungen in einigen verdrehten und gestreckten Figuren seines Spätwerks sich bereits die Kunstauffassung des Manierismus anzudeuten scheint…. wenn sich da nicht mal die Kunstwissenschaftler einig sind…. 🫤


Retablo (Altarbild) in der Capilla de San Juan Bautista (Kapelle des heiligen Johannes des Täufers)
In der Kapelle rechts neben dem sogenannten Puerta de la Virgen (Tür der Jungfrau) an der Südostseite der Basilika befindet sich die Kapelle des Heiligen Johannes des Täufers. Diese Kapelle wurde von Erzbischof Tomás Crespo de Agüero in Auftrag gegeben, der dort auch beigesetzt wurde.
In der Mitte sticht der Altaraufsatz des Namenspatrons hervor, dessen Skulptur dem aragonesischen Bildhauer Gregorio de Mesa zugeschrieben wird. Links befindet sich ein Gemälde des Heiligen Petrus und rechts eines des Heiligen Paulus. Im oberen Teil ist die Taufe Christi dargestellt.

An dieser Stelle werden die herumlaufenden Besucher, einschliesslich wir, vom Ordnungsdienst auf dem Gebäude vertrieben….
…. gleich beginnt die Heilige Messe. Das kommt uns gerade gelegen, wir sind nämlich etwas hungrig! 🤤

In einer der zahlreichen Bars und Restaurants an der Plaza de Nuestra Señora del Pilar finden wir einen Imbiss zum Mittag. Obwohl die Sonne scheint, essen wir drinnen…. der Cierzo ist einfach lästig!
Diese Bronzeskulptur namens El Pastor del Águila in der Calle Antonio Candalija wurde von dem berühmten Künstler Pablo Gargallo geschaffen. Die Szene zeigt einen Hirten, der ein Lamm vor dem Angriff eines Adlers schützt.

An der Plaza de San Felipe steht die Bronzestatue La Vendimiadora (Die Weinleserin), ein Werk des Bildhauers Alfredo Eseverri. Im Hintergrund ist die historische Iglesia de San Felipe y Santiago el Menor zu sehen.


Das Bild zeigt den Innenhof des Museo Pablo Gargallo, welches dem gleichnamigen aragonesischen Bildhauer gewidmet ist. Das Museum befindet sich im Palacio de Argillo, auch Palacio de los Condes de Argillo, ein Adelspalast und beeindruckendes Beispiel ziviler Barockarchitektur aus dem 17. Jahrhundert. Im Innenhof stehen zwei markante Bronzeskulpturen von Gargallo, rechts El Saludo Olímpico (der olympische Gruss) und links El atleta clásico (der klassische Athlet), die 1929 für die Internationale Ausstellung in Barcelona geschaffen wurden.

Erbaut wurde der Palast zwischen 1659 und 1661 im Auftrag von Don Francisco Sanz de Cortés, einem einflussreichen Adligen. Die Fassade vereint Elemente der Renaissance und des Barocks. Besonders markant ist die hölzerne Traufe mit den Tierkreiszeichen.


Mural de la Torre Nueva (Wandgemälde mit dem Neuen Turm)

Tony Wilson Bar
Das Tony Wilson ist ein angesagter, unterirdischer Speakeasy-Club (auch als Flüsterkneipe, Flüsterstube oder Mondscheinkneipe übersetzt) in der Calle el Temple in der Altstadt. Bekannt für seine Ziegelsteingewölbe, eine urbane Atmosphäre und gute Cocktails, ist es eine beliebte Location für Afterworks, DJ-Sessions, Indie-Musik und den bekannten Tardeo ab 17.00 Uhr. Der Tardeo ist eine moderne spanische Tradition, bei der das Feiern und Ausgehen vom späten Abend auf den Nachmittag vorverlegt wird.

Immer noch in der Calle el Temple


Die Iglesia de Santa Isabel de Portugal, im Volksmund als San Cayetano bekannt, ist eine herausragende Barockkirche aus dem 17. Jahrhundert auf der Plaza del Justicia. Obwohl die Kirche auch den Heiligen des Theatinerordens, Cayetano de Thiene und Andrés Avelino, gewidmet ist, gilt die Verehrung der Gemeindemitglieder vor allem Isabel de Aragón und Sizilien, Königin von Portugal durch ihre Ehe mit Dionisio I. und Mutter von Alfonso IV. Als Tochter von König Pedro III. dem Grossen, war sie zudem Infantin von Aragón.

Noch einmal die Iglesia de San Juan de los Panetes an der Plaza de Nuestra Señora del Pilar, erbaut im Barockstil, die für ihren markanten achteckigen Glockenturm im Mudéjar-Stil bekannt ist. Der Turm wurde im 16. Jahrhundert erbaut und weist eine leichte Neigung zur benachbarten Basílica del Pilar auf…. also ein schiefer Turm! 😜

Wir laufen noch einmal über die Plaza de Nuestra Señora del Pilar….
…. der Fuente de la Hispanidad (Brunnen der Hispanität) aus der Nähe. Die Form bildet die Landkarte Hispanoamerikas nach. Im oberen nördlichen Teil bildet eine Rille die Landkarte der Halbinsel Yucatán und Mittelamerikas. Ein Wasserfall stürzt in das Becken, das Südamerika und Feuerland nachbildet.
Ergänzt wird der Brunnen durch drei prismatische Betonblöcke unterschiedlicher Grösse, die mit weissem Marmor verkleidet sind und an die beiden Karavellen Niña und Pinta und das Flaggschiff, die Karacke Santa Maria erinnern, mit denen Christoph Kolumbus in See stach.

Aus dieser Perspektive sieht man den schiefen Turm deutlich

…. und links noch einmal die Catedral Basílica de Nuestra Señora del Pilar

Bei diesen markanten, fast monolithischen Konstruktionen auf der rechten Seite handelt es sich um die modernen Lichttürme (Torres de Luz) der Plaza de Nuestra Señora del Pilar. Die Türme wurden im Zuge der radikalen Neugestaltung des Platzes im Jahr 1991 errichtet. Das Ziel war es damals, den riesigen Bereich komplett autofrei zu machen und eine urbane, zeitgenössische Ästhetik zu schaffen.
Da die Basílica del Pilar und die umliegenden historischen Türme sehr hoch und monumental sind, mussten herkömmliche Strassenlaternen vermieden werden. Kleine Leuchten wären optisch auf dem riesigen Areal untergegangen. Die massiven, dunklen Pfeiler setzen einen bewussten und modernen Kontrapunkt zur barocken Kulisse.


Das Ayuntamiento de Zaragoza neben der Basílica del Pilar

Der Haupteingang des Rathauses….
…. Die monumentalen Bronzestatuen zu beiden Seiten des Eingangs wurden von dem aragonischen Bildhauer Pablo Serrano geschaffen. Die rechte Statue stellt San Valero dar, den Schutzpatron der Stadt. Die linke Statue stellt den Schutzengel der Stadt, Ángel Custodio (Schutzengel), dar.


San Valero

Ángel Custodio

Monumento a Francisco de Goya…. eine Bronze-Figur auf einem Marmor-Sockel, realisiert 1960 vom Bildhauer Frederic Marès und dem Architekten José Beltrán Navarro auf der Plaza del Nuestra Señora del Pilar

Blick in die Calle de Don Jaime I

Die Plaza de la Seo mit der Catedral del Salvador oder auch Seo del Salvador en su Epifanía genannt, davor das Museo del Foro de Caesaraugusta. Die Kathedrale ist geschlossen, vermutlich eine längere Mittagspause…. aber wir haben sie bereits im September 2023 besichtigt…. und fotografieren darf man drinnen eh nicht.


Der Palacio Episcopal de Zaragoza (Bischofpalast) an der Plaza de la Seo….
…. darin befinden sich das Archivo Diocesano (Diözesanarchiv), das Museo Alma Mater und weitere christliche Institutionen.

Blick auf die Basílica del Pilar von der Puente de Piedra aus, die über den Ebro führt.


Wir machen uns auf den Weg zum Bus…. man sieht’s den Fotos wirklich nicht an….
…. es ist sonnig…. aber von diesem kalten Cierzo haben wir jetzt wirklich genug!


Das war unsere heutige Route…. etwa 6.5 km

Wir gehen noch etwas trinken und fahren dann mit dem Bus zurück zum Campingplatz.
Morgen geht’s nach València!
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