26. Tag: Jerez de la Frontera…. Stadt des Sherry

Donnerstag, 7.10.2021

Am Morgen steht erst mal die Reparatur des Abwasserschlauchs im Bad auf dem Programm. Blöderweise ist der Bruch ein Stück hinter der üblichen «Sollbruchstelle» entstanden, was die ohnehin sehr fummelige Reparatur zusätzlich erschwert. Egal…. um die Mittagszeit ist die Reparatur erledigt und wir machen uns auf den Weg in die Innenstadt…. so wie gestern, mit dem Taxi.

Die Bodega Tío Pepe befindet sich in der nach dem Firmengründer benannten Strasse Calle Manuel María González. Nahe der Kathedrale gelegen, ist das praktisch ein kleiner Stadtteil für sich. Das Gelände ist vom Glockenturm der Kathedrale aus gut zu sehen. Wie riesig das Gelände tatsächlich ist, sehen wir dann beim Rundgang innen.

Es dauert noch etwas, bis die Besichtigung anfängt, also können wir noch einen Blick auf den Park Alameda Vieja werfen….

…. und auf die maurische Festung Alcázar de Jerez…. leider nur bis 12 Uhr geöffnet.

Rechts der Alcázar, links ein Gebäude der Bodega Tío Pepe

Und Zeit für ein oder zwei Bier und ein paar Tapas ist auch noch.

Das Mi Rincón in der Calle S. Agustín hat einige Tische draussen stehen, ist ein Treffpunkt von Einheimischen aus dem Quartier und hat einen sehr freundlichen und speziellen Kellner…. kurz, es ist ein überaus sympathisches Lokal. Und zum Glück ist auch noch ein kleiner Tisch frei.

Immer wenn der Kellner an unserem Tisch vorbeikommt, ruft er laut Olé und hat eine Riesenfreude, wenn wir diesen Ruf erwidern. Ein paar Mal kommt er auch auf einen kurzen Schwatz vorbei. Das macht er nicht nur bei uns, andere Gästen beglückt er auch mit Olé, nicht jede/r versteht das, aber das ist ihm egal!

Wir wären gern länger geblieben, aber wir müssen jetzt los zu Tío Pepe.

Eine Übersicht (Symbole rote Weingläser), wie viele Bodegas es in Jerez de la Frontera gibt….

Map data ©2022 Google

…. da wird deutlich, dass sich in Jerez vieles, wenn nicht das meiste, um Sherry dreht. Sherry ist ein spanischer verstärkter Weisswein aus Andalusien, der einem speziellen Reifeprozess unterzogen wurde. Der Begriff Sherry rührt vom maurischen Namen Sherish (phönizisch Cera, lateinisch Ceret) für den heutigen Ort Jerez de la Frontera her. Sherry wurde im 18. und 19. Jahrhundert durch englische Handelshäuser weltweit bekannt gemacht.

Sherry wird während seiner Fassreife aus Weinen unterschiedlicher Jahrgänge verschnitten (Solera-System). Sherry (oder Jerez) ist als Herkunftsbezeichnung geschützt: nur Weine aus dem andalusischen «Städtedreieck» Jerez de la Frontera, Sanlúcar de Barrameda, El Puerto de Santa María und der DO Jerez/Xèréz/Sherry y Manzanilla de Sanlúcar Barrameda, dürfen als Sherry bezeichnet werden.

Der Eingang zum Garten von González Byass (nicht öffentlich)

Der Warteraum vor der geführten Tour, die hier gebucht werden kann! Unsere Führung ist auf deutsch.

Selbst die Garderobe ist stilecht! 😀

Man munkelt ja, dass das Tío-Pepe-Logo von Picasso stammt, aber einen schlüssigen Beweis habe ich bei Google nicht gefunden.

Dieses Bild zeigt, dass er zumindest dem Genuss von Tío Pepe Sherry nicht abgeneigt war! 😀

.

Eine Verbindung zum Haus González Byass gab es auf jeden Fall, er hat in einem Weinkeller ein Fass signiert!

Was es alles gibt…. ein Baum, auf dem auf einer Seite Zitronen und auf der anderen Seite Orangen wachsen!

Eine offene Lagerhalle, die Real Bodega La Concha, im Freigelände…. die Konstruktion aus dem Jahr 1869 stammt von Gustave Eiffel

Photo by elcatavinos Ⓒ https://www.flickr.com/photos/elcatavinos/8141081577

So sieht es aus, wenn dort ein festlicher Anlass stattfindet!

Ein kleines Museum mit Maschinen und Geräten aus Weinbau und Weinverarbeitung

Kurz nach dem Betreten der ersten Lagerhalle sind wir überwältigt….

Man hätte Aufnahmen mit einer Drohne machen sollen…. die erste Lagerhalle sieht so aus, wie auf dieser alten Zeichnung…. und es gibt einige Lagerhallen dieser Grösse!

by Bernardo Rico, 1865, Public domain

Die «Hieroglyphen» des Kellermeisters…. die Dame, die unsere Führung macht, erzählt uns sehr viel über die Herstellung von Sherry, aber diese Details kann sie auch nicht entschlüsseln. Wer sich für Herstellung von Sherry interessiert, kann das z.B. bei SherryWines nachlesen…. aber man muss vermutlich Vinologe sein, um das nachvollziehen oder verstehen zu können. Und Firmengeheimnisse will González Byass sicher auch nicht preisgeben.

Die ehemaligen Räume der Geschäftsleitung sind nicht öffentlich zugänglich und dienen für repräsentative Anlässe

Hier wird gerade an einer neuen Werbekampagne gearbeitet….

…. und hier wird eine (Werbe-) Veranstaltung vorbereitet!

Und noch eine dieser riesigen Lagerhallen

Von der Königlichen Familie und von Prominenten signierte Fässer

Und dann ist da noch die Geschichte mit den sherry-trinkenden Mäusen! 😆 😆

Um den Ursprung dieses besonderen Brauchs zu erfahren, muss man viele Jahre zurückgehen, bis zu dem Tag, an dem José Gálvez, ein «Venenciador» bei González Byass, eine besondere Entdeckung machte.

In einer Arbeitspause sah Gálvez beim Verzehr eines Sandwichs, wie sich ihm eine Gruppe von Mäusen schüchtern näherte, um die Krümel zu fressen, die von seinem Brot fielen. Von diesem Moment an begann Gálvez, Stücke seines Essens auf dem Boden liegen zu lassen, um das Vertrauen der Nager zu gewinnen, und versuchte, sich mit ihnen anzufreunden. Er liess sie sogar den Wein probieren, der ihnen anscheinend sehr gut schmeckte und von dem sie nicht genug bekommen konnten.

Mit der Zeit hatte Pepe Gálvez genug von den Mäusen, die umsonst assen und tranken, und stellte ihnen eine Leiter auf, damit sie sich den Weg zum Rand des Glases verdienen mussten, das er ihnen jeden Tag füllte. Als er sah, dass sie alles taten, was nötig war, um satt zu werden, beschloss er, die Mäuse und ihr kleines Schauspiel den Besuchern des Kellers zu zeigen, und es wurde bald zu einer bekannten Attraktion.

Gálvez ging 1956 in den Ruhestand, aber sein Vermächtnis lebt weiter. So stellen auch heute noch jedes Mal, wenn eine Gruppe von Touristen die Einrichtungen von González Byass besucht, ihre Gastgeber ein Glas Sherry und eine kleine Treppe auf den Boden. Sofort kommt eine Gruppe von Mäusen aus der Dunkelheit, um das Getränk zu probieren, wie einige Videos zeigen, die diese neugierigen Nager zu einer der vielen Touristenattraktionen in Jerez gemacht haben.

Also…. bei uns ist kein Sherryglas und keine Leiter aufgestellt…. wir sehen auch keine Mäuse in den Lagerhallen…. aber irgendwas ist schon dran an der Geschichte!

Es gibt einige Videos zu dem Thema, zum Beispiel dieses hier:

Die Gebäude und die Aussenanlagen sind sehr gepflegt und in landestypischem Stil gehalten!

Zum Abschluss der Führung geht’s noch zur Degustation, bei unserem gebuchten Package sind zwei Sorten Sherry dabei, eine dritte Sorte, ein Amontillado, den wir gern probieren möchten, wird gratis ausgeschenkt.

Ein Fläschchen Wasser kostet 1 €…. na ja…. 🙄

Einige Werbe-Installationen im Degustationsraum

Ein Besuch im Shop darf natürlich nicht fehlen! 😀

Den Abend lassen wir am Rand der Plaza del Arenal in der Taberna Jerez bei leckeren Tapas und gutem Wein ausklingen. Das Restaurant hatte uns der Chef vom Stellplatz empfohlen…. er hat nicht zuviel versprochen…. wir sind begeistert! Aufmerksamer Service, sehr gute und schnelle Küche (z.B. beste Patatas braves ever!)…. eine absolute Empfehlung!

Diesen Tio Pepe Palomino Fino Sherry
Andy Warhol Sleeve gab’s kürzlich bei Coop!

Schöne Flasche, steht jetzt bei uns in der Vitrine…. leider schon leer! 😀

Dieses durch Andy Warhol inspirierte Design der Verpackung der Sherry-Flaschen gefällt mir sehr gut…. hoffentlich gibt das mal eine grosse Wertsteigerung! 😆

.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.