28. Tag: Sevilla…. Tag 1

Samstag, 9.10.2021

Auf nach Sevilla! Der Bus bringt uns bequem in’s Zentrum von Sevilla in die Avenida Portugal, nahe der Plaza de España. Von dort aus lassen sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu Fuss erreichen.

Map data ©2022 Google

Am 24.2.2018 hatten wir schon einmal eine kurze Besichtigung von Sevilla gemacht. Leider dauerte es über 3 1/2 Jahre, bis wir die Besichtigung etwas ausführlicher gestalten können…. aber auch diesmal werden wir nicht alles schaffen…. an drei Tagen versuchen wir, Tickets für den Real Alcázar de Sevilla (den maurischen Königspalast) an der Tageskasse zu bekommen…. immer vergebens. Wir hätten zwar online buchen können, aber wir können keine Tickets für Senioren buchen…. dort steht «für Bürger der Europäischen Union»…. da gehört die Schweiz leider nicht dazu…. die Maschine lässt sich nicht überlisten! 😀

Eine Zeichnung der Kathedrale aus dem Jahr 1866

By Juan Laurent, 1866, National Gallery of Art, Washington DC, Public domain

Von der Dachterrasse eines Hotels am Südrand des Plaza Nueva fotografiert…. hier werden die Dimensionen der Kathedrale sichtbar!

Photo by Hermann Junghans, License CC BY-SA 3.0 DE

Die Südost-Fassade der Kathedrale

Photo by Ingo Mehling, License CC BY-SA 4.0

Obwohl die Stadt ziemlich voll von Touristen ist, stehen bei der Catedral de Sevilla kaum Leute an. Santa, Metropolitana y Patriarcal Iglesia Catedral Santa María de la Sede y de la Asunción de Sevilla heisst die Kathedrale mit vollem Namen, sie ist die drittgrösste Kirche der Welt und der weltgrösste gotische Kirchenbau. Sie wurde im 15. Jahrhundert an der Stelle der maurischen «Grossen Moschee» errichtet, wobei das Minarett und der Hof in den gotischen Neubau integriert wurden. Die Kirche bedeckt eine Grundfläche von 116 x 83 m und die zentrale Kuppel ist 56 m hoch. Schon von aussen beeindruckt die fünfschiffige Hallenbasilika durch ihre Dimensionen. Die wahre Grösse offenbart sich im Inneren.

Etwa eine Viertelstunde stehen wir an, bevor wir am Ticketschalter stehen.

Einige Details der reichhaltig verzierten Fassade

Ein Überblick über die Kathedrale

Der Aufstieg zum Glockenturm (La Giralda) ist im Eintrittspreis enthalten…. zum Glück scheinen das nicht alle Besucher mitbekommen zu haben…. die freundliche Mitarbeiterin am Ticketschalter weist uns darauf hin, dass sich in wenigen Minuten ein neues Zeitfenster für den Turmaufstieg öffnet, wir steigen also zuerst hoch, bevor wir uns das Innere der Kathedrale anschauen.

Die Aussicht auf die Stadt ist überwältigend

Ein Foto von 1927

Photo by Anónimo, Public domain

Die Stierkampfarena, Plaza de Toros de la Real Maestranza de Caballería de Sevilla

Der Torre Sevilla, erbaut von 2008-2015, 180 m hoch und das runde Gebäude links, der Torre Triana, Sitz des andalusischen Bildungsministeriums, der Junta de Andalucía, Consejería de Educación und des andalusischen Instituts für berufliche Qualifikationen, der Junta de Andalucía, Instituto Andaluz de Cualificaciones Profesionales.

Der Torre Triana wurde nach dem Entwurf des Architekten Francisco Javier Sáenz de Oiza im Rahmen der Weltausstellung von Sevilla 1992 gebaut und 1993 als Verwaltungsgebäude in Betrieb genommen. Baubeginn war im November 1989. Der postmoderne Rundbau ist das grösste Verwaltungsgebäude der Regierung von Andalusien.

Rechts der Metropol Parasol, eine Hybridkonstruktion aus Holz, Beton und Stahl in der Altstadt (das schauen wir uns übermorgen an) und in der Mitte die Puente del Alamillo, eine Schrägseilbrücke über den Guadalquivir. Sie wurde zur Expo 1992 von Santiago Calatrava entworfen und war die erste Schrägseilbrücke der Welt, die keine Rückverankerung besitzt.

Drei der insgesamt 24 Glocken…. nichts für schreckhafte Gemüter…. die gehen ohne Vorwarnung los! 😀

Es geht wieder nach unten…. aussergewöhnlich ist, dass dieser Turm bis zur Höhe des Glockenstuhles, d. h. bis zu der Galerie auf ca. 70 m Höhe, zu Pferde bestiegen werden kann. Statt Treppen legten die Baumeister eine ca. 2,50 m breite Rampe an, deren Deckenhöhe einen Aufstieg zu Pferd ermöglicht. Durch diese Rampe (anstelle von Treppen) konnten wichtige Nachrichten rasch verkündet werden. Und sehr bequem ist das auch, wenn man zu Fuss unterwegs ist.

Auf der Spitze des Turms steht der bronzene Giraldillo. Es handelt sich dabei um eine weibliche Statue als Inkarnation (Verkörperung) des triumphierenden christlichen Glaubens. Sie ist 4 m hoch, wiegt ca. 2’000 kg und stammt von dem Künstler Bartolomé Morel.

Einschliesslich der in christlicher Zeit durchgeführten Erweiterungen, mit dem Giraldillo, misst die Giralda 104,5 Meter. Der Name Giralda (span. girar – drehen, kreisen) stammt von der Wetterfahne auf der Turmspitze.

Photo by Ingo Mehling, License CC BY-SA 4.0

Der Eindruck ist schlicht überwältigend, wenn man innen in der Kathedrale steht…. es ist gigantisch…. und das ist noch untertrieben!

Mittelpunkt der prächtigen Capilla Mayor, dem Hauptaltarraum, ist der vergoldete Hochaltar, der mit 23 x 20 Meter den grössten christlichen Altar der Welt darstellt. Zwölf spanische Bildhauer schnitzten achtzig Jahre an diesem Meisterwerk, das den Reichtum der damaligen Stadt versinnbildlicht.

Photo by Ingo Mehling, License CC BY-SA 4.0
Photo by Launus, License CC BY-SA 4.0

Eine von vielen Kapellen…. die spanische Wikipedia gibt eine Übersicht

Die Orgel

Der Chor

Ein weiteres Highlight…. der Sarkophag des Christoph Kolumbus

An der Puerta de la Lonja befindet sich der Sarkophag des Christoph Kolumbus. Das Denkmal entstand 1902. Der Sarkophag wird von vier Herolden getragen, die für die Königreiche Kastilien, León, Aragón und Navarra stehen. Dies ist eine Symbolik dafür, dass auch die sterblichen Überreste von Kolumbus «gereist» sind. Nach seinem Tod in Valladolid im Jahre 1506 wurde er einige Jahre später nach Sevilla gebracht, 1596 dann nach Santo Domingo überführt. Als 1795 die Franzosen dorthin kamen, wollte man ihnen Kolumbus nicht überlassen und brachte den Leichnam nach Havanna. 1898 wurden die sterblichen Überreste wiederum nach Sevilla verschifft. 2006 führten spanische Wissenschaftler einen DNA-Abgleich mit den Überresten aus dem Sarkophag und Überresten von Kolumbus’ Bruder und seinem Sohn Fernando Kolumbus durch und bestätigten seine Identität.

Dass die Träger mit den Wappen Kastiliens und Leons aufschauen, während die mit den Wappen von Navarra und Aragón zu Boden blicken, soll darauf hinweisen, dass zunächst nur die ersteren vom Kolonialhandel profitierten und die beiden anderen bis 1778 davon ausgeschlossen blieben.

Photo by Hermann Junghans, License CC BY-SA 3.0 de

Unsere Eintrittskarten der Kathedrale gelten auch für die Iglesia Colegial del Divino Salvador in der Nähe.

Vorher brauchen wir eine Pause…. eine kühle Cerveza und ein paar Tapas…. in der Calle Hernando Colón werden wir fündig…. Seni Gastrobar gefällt uns und hat draussen grad einen Tisch frei!

Ich weiss nicht mehr, was das auf dem Foto unten war…. aber extrem lecker war es! 😀

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Die Iglesia Colegial del Divino Salvador an der Plaza del Salvador

An dieser Stelle hatte sich ursprünglich ein Gebäude aus der Römerzeit befunden. Danach wurde die Moschee von Ibn Adabbas zwischen 829 und 830 erbaut. Sie war die grösste Moschee der Stadt, bis die Almohaden 1182 die Grosse Moschee errichten liessen. Nach der Rückeroberung Sevillas im Jahr 1248 liess Ferdinand III. von Kastilien die Kathedrale in der Grossen Moschee der Stadt erbauen. Anschliessend wurde die Moschee von Ibn Adabbas mit der Widmung des göttlichen Erlösers der Welt christianisiert.

Im 19. Jahrhundert änderte sich die Gesetzgebung in Bezug auf die Kirche. 1852 hörte dieses Gotteshaus auf, eine Stiftskirche zu sein, und wurde zu einer Pfarrkirche. Den Namen Stiftskirche hat sie jedoch beibehalten.

Die Fassade mit ihren schlanken Säulen und das Ensemble aus Kapellen und Retabeln (Altaraufsätzen) im Inneren des Gotteshauses bilden einen unvergleichlichen Rahmen für eine Annäherung an die barocke Kunst Sevillas. Besonders hervorzuheben sind der Hochaltar und die Sakramentskapelle.

Sehenswert ist die Kirche allemal, obwohl sie im Vergleich zur Kathedrale nur ein «Kirchlein» ist. Das reichhaltige barocke Innere der Kirche lässt ungefähre Rückschlüsse darauf zu, um welche immensen Summen es in Spanien während der Kolonialzeit ging.

Wir beenden den heutigen Tag in Sevilla…. es ist eine Affenhitze und das Schwimmbad auf dem Campingplatz schliesst in der Nebensaison um 19 Uhr…. wir wollen uns noch etwas abkühlen! 😀

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