31. und 32. Tag: Ruhige Tage in Güéjar Sierra

Dienstag, 12.10.2021

Nach dem Frühstück geht’s los…. geplant ist, uns auf dem Camping Reina Isabel in La Zubia etwas südlich von Granada einzuquartieren. Alle 15 Min. geht von dort ein Bus nach Granada…. eigentlich perfekt für die Stadtbesichtigung. Die Fahrt ist angenehm, es ist wenig Verkehr (Feiertag heute!)…. zuerst fahren wir an endlosen Baumwollfeldern vorbei, später sind es Olivenplantagen.

Map data ©2022 Google

Etwa auf der Höhe von Fuentes de Andalucía sehen wir in einigen Kilometern Entfernung links einen Turm mit einem grellen Licht….

Photo by Daderot, License CC0 1.0 Universell (CC0 1.0) Public Domain Dedication

…. es handelt sich um Gemasolar, ein konzentrierendes solarthermisches Kraftwerk mit thermischem Salzspeichersystem im Besitz von Torresol Energy.

Photo by Kallerna, License CC BY-SA 4.0

Gemasolar ist das erste kommerzielle solarthermische Kraftwerk mit zentraler Turmreceiver-Technologie und Salzschmelze-Speicher-System. Es handelt sich um ein 185 ha grosses Solarfeld, in dem der Receiver auf einem 140 m hohen Turm sitzt, die Leistungsinsel und 2’650 Heliostaten, jeder 120 m² gross, in konzentrischen Ringen um den Turm verteilt sind.

Die Grafik rechts zeigt die Funktionsweise des Kraftwerks.

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Die innovativsten Aspekte dieser Anlage, sind der Salzschmelzenempfänger, der Ausrichtungsmechanismus des Heliostaten und das Kontrollsystem. Ausserdem ermöglicht das Speichersystem die Stromerzeugung für 15 Stunden ohne Sonnenschein (nachts oder an bewölkten Tagen). Dank dieser Speicherkapazität kann die Solarenergie bedarfsgerecht bereitgestellt werden. Mit der von SENER entwickelten Wärmeübertragungstechnologie hat die Anlage bereits einen ganzen Tag ununterbrochene Netzeinspeisung erreicht.

Gemasolar kann mit einer Leistung von 19,9 MW 110 GWh pro Jahr liefern, womit 27’500 Haushalte versorgt werden können. Diese Anlage ist seit Mai 2011 in Betrieb. Die offizielle Einweihung fand im Oktober 2011 statt.

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Ein Video zu Gemasolar…. etwa ab 2.20 Min. wird die Funktionsweise des Kraftwerks visuell erklärt.

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Wir passieren viele Ziele, die es wert wären, besichtigt zu werden. Écija, die Stadt der Türme, liegt am Río Genil zwischen den beiden andalusischen Metropolen Córdoba und Sevilla in der Provinz Sevilla. Die Stadt trägt die Beinamen La Sartén de Andalucía (Bratpfanne Andalusiens).

Córdoba hatten wir bereits auf unserer Reise nach Portugal im Frühjahr 2018 besucht.

Zeit für eine Mittagspause…. in Espejo finden wir das Restaurante Alcazaba recht einladend, schöne Terrasse, schöne Aussicht, grosser Parkplatz…. wir bestellen das Essen zum Teilen…. einen grossen gemischten Salat und Pulpo a la Gallega (Oktopus auf galizische Art…. steht in Spanien häufig auf der Karte)…. lecker und genau richtig…. nicht zu viel und nicht zu wenig.

Als wir beim Campingplatz ankommen, sind wir zuerst etwas enttäuscht…. erstens ist der Platz voll belegt…. da heute Feiertag ist, hatten wir damit gerechnet, dass viele Leute abgereist sind…. das war aber nicht so. Der Platzwart empfiehlt uns Camping Las Lomas in Güéjar Sierra am Fusse der Sierra Nevada. Wir rufen sicherheitshalber an, Plätze sind frei, ein Bus nach Granada geht etwa jede Stunde.

Auf dem Weg zum Campingplatz kommen wir nach Pinos Genil am Stausee Embalse de Canales vorbei. Der Damm wurde 1988 eingeweiht und überflutete das Dorf Canales. Der Río Genil ist mit einer Länge von 358 km nach dem Guadalquivir, dessen Nebenfluss er ist, der zweitlängste Fluss Andalusiens. Er entspringt in der Provinz Granada (Laguna de la Mosca), wo sich die Flüsse Real und Guarnón vereinen, und mündet in der Provinz Córdoba, in der Gemeinde Palma del Río, am linken Ufer des Guadalquivir.

Map data ©2022 Google

Das Dorf Canales lag ursprünglich am Ufer des Río Genil, genau dort, wo heute der Stausee ist, am Fusse des markanten Felsens El Púlpito. Zwischen 1925 und 1974 gab eine Strassenbahnverbindung, die Ferrocarril Elétrico de la Sierra Nevada von Granada in die Sierra Nevada, es war sogar geplant eine Standsteilbahn bis auf 2’200 Meter Höhe zu errichten. Die 24 Kilometer lange Strassenbahnlinie wurde aber im Rahmen der Bauarbeiten an der Staumauer rückgebaut, das alte Canales ist im Stausee versunken. Ein Strassenbahnwagen ist heute beim Besucherzentrum El Dornajo ausgestellt. Das heutige Dorf wurde 1996 in einen höher gelegenen Teil des Genil-Tals verlegt. Der Stausee dient der Wasserversorgung der Stadt Granada.

Der Felsen El Púlpito

Einige alte Fotos von Canales und der Ferrocarril Elétrico de la Sierra Nevada

Und zurück in die Gegenwart! 😀

Blick von der Staumauer in’s Tal Richtung Granada

Als wir auf dem Campingplatz ankommen, sind wir zuerst mal froh, dass der andere Platz belegt war…. das ist kein Vergleich…. ein toller Platz, herrliche Landschaft, die Ausstattung ist einfach, aber alles ist tiptop sauber!

Ein kleiner Laden ist neben der Rezeption, der immer offen hat, wenn auch die Rezeption offen hat…. und das Restaurante Las Lomas Abrasador ist ein Top-Restaurant. Kleiner Nachteil, man muss reservieren, da das Restaurant auch von Gästen ausserhalb des Campingplatzes besucht wird.

Zuerst wollen wir zwei Nächte bleiben, danach verlängern wir zweimal um je eine Nacht, am Ende sind es vier Nächte!

Die Aussicht vom Rand des Campingplatzes in’s Tal

Der Sonnenuntergang


Mittwoch, 13.10.2021

Wir verschieben die Fahrt nach Granada auf morgen…. heute geht’s zu Fuss nach Güéjar Sierra, nicht weit weg vom Campingplatz. Das Dorf hat keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, die wichtigste Sehenswürdigkeit ist, dass es ein sehr authentisches andalusisches Bergdorf mit sanftem Tourismus ist.

Güéjar Sierra im Winter….

…. kurz vor einem Unwetter….

Photo by Ian Marshall, License CC BY-SA 4.0

…. und bei Sonnenuntergang im Herbst!

Photo by Ian Marshall, License CC BY-SA 4.0

Interessant ist, dass das örtliche Tourismusbüro Turismo Güéjar Sierra….

…. den Zusatz «La Suiza del Sur» (die Schweiz des Südens) oder «The Switzerland of Southern Spain» (die Schweiz Südspaniens) verwendet.

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Güéjar Sierra ist eine Gemeinde, die an den nordwestlichen Hängen des Natur- und Nationalparks Sierra Nevada auf einer Höhe von über 1’000 Metern liegt, auf halber Höhe der Hänge des Cerro el Calar. Es ist ein Bergdorf, ein Ausgangspunkt für die wichtigsten Mittel- und Hochgebirgswanderwege, die in die Sierra Nevada führen, nur 26 Kilometer von der Stadt Granada und 25 Kilometer von den Skipisten der Sierra Nevada entfernt.

Das Stadtzentrum ist in drei steil abfallende Stadtteile unterteilt, die noch die typische Bergarchitektur mit engen Gassen und zahlreichen Brunnen bewahren. Die Umgebung bietet dem Besucher aussergewöhnlich schöne Ecken und Winkel, Kastanienwälder und alte Steinbrüche oder die alte Trasse der Strassenbahn, die früher bis zur Sierra Nevada führte.

Im Barrio Alto (Oberstadt) oder Barrio del Fuerte (Name in maurischer Zeit)

«Ich bin Jäger und Angler und werde es immer sein.

Ich verlange nicht, dass Du es auch bist, sondern nur, dass Du es respektierst».

Auf dem Weg in’s Barrio Bajo (Unterstadt) oder Barrio de la Iglesia

Der öffentliche Waschplatz Eras Bajas…. es gab früher mehr als ein Dutzend solche Plätze in Dorf. Der traditionelle Waschplatz war Teil der einzigartigen andalusischen Kultur und ein wichtiger Kommunikationspunkt für die Nachbarschaft.

Beim Kiosco Marcelo an der Plaza Domingo Puente Marín gibt’s Erfrischungen und Süssigkeiten

Die Parroquia Nuestra Señora del Rosario an der Plazeta de la Iglesia…. leider geschlossen!

Das Ayuntamiento de Güéjar Sierra an der Plaza Mayor

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Es gibt im Moment im Dorf keinen gemütlicheren Platz als hier im Schatten unter den riesigen Sonnnensegeln und eine Cervesa zu trinken und ein paar Tapas zu essen.

Im Raum Granada ist es in Restaurants oder Bars üblich, dass zu einem bestellten Getränk eine Portion Tapas nach Wahl des Hauses serviert wird…. das Getränk ist deshalb nicht teurer. Hier gibt es Patatas und Tomates…. so leckere Tomaten gibt’s bei uns zuhause nicht!

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Ein Hinweis auf Wintersport in dieser Gegend

Die Gegend ist sehr landwirtschaftlich geprägt…. hauptsächlich Olivenanbau….

…. und einige Obstbäume!

Am Abend haben wir wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang!

Nachtrag:

Dass auf dem Gemeindegebiet von Güéjar Sierra ein Toro de Osborne steht, haben wir erst hinterher erfahren. Auch bei Google Maps findet man ihn nur in einer bestimmten Einstellung. Schade…. fussläufig war er vom Campingplatz aus nicht zu erreichen und mit unserem Camper hätten wir auf der anderen Seeseite die A-395 Richtung Pradollano im Herzen der Sierra Nevada fahren müssen, um in die Nähe des Toros zu kommen. Vielleicht nächstes Mal….

Map data ©2022 Google
Photo by ©Elissa Cray

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